Mit einer längst über Erzgebirgsgrenzen hinaus beachteten Aktion erweisen die Freiberger Numismatiker der Montanlandschaft und ihren Menschen die glänzende Referenz. Bergbaureviere sind in Münzen erfasst.
Freiberg/Jachymov. Im einstigen böhmischen Dörfchen Conradsgrün, dem späteren Joachimsthal, begründet sich ein Kapitel weltumspannender Geldgeschichte, die jetzt handtellergroß in gediegenes Material gegossen auf zwei Seiten einer Medaille erlebbar wird: Die filigran in die Oberflächen gravierten Bildkompositionen erinnern an die Entstehung des Joachimsthaler Guldengroschens, durch dessen Verkürzung des Münzbegriffs sich einst das Wort „Thaler“ entwickelte.
Freiberger Münzfreunde haben das Thema der Welterbe-Region Erzgebirge/Krušnohoří auf ihre spezielle Weise aufgegriffen. Mit dem dritten Motiv der reizvollen Medaillenserie bannen die münzkundigen Chronisten den Ursprung des Dollars vor 500 Jahren in Silber- und Kaiserzinn. Mit ihrer längst über Erzgebirgsgrenzen hinaus beachteten Aktion wollen sie einer Landschaft und ihren Menschen die glänzende Referenz erweisen. Dabei begründen jeweilige Bergbaujubiläen die Auswahl durch die Silberstadt-Numismatiker.

„Mit der Wende waren die Freiberger Münzfreunde daran gegangen, Bergbau und Hüttenwesen auf ihre Weise aufzuarbeiten. Zu jenem Zeitpunkt endlich über Silbermaterial zu verfügen und Edelmetall zu verarbeiten gab unserem Hobby einen nachhaltigen Impuls“, erinnert sich Helmut Herholz, Vorsitzender der auf Bergbaugepräge spezialisierten Interessengemeinschaft. „So konzentrierten wir uns zunächst auf die Silberstadt Freiberg und ihre mit dem Montanwesen verbundenen Leistungen. Längst nicht jeder Einheimische weiß beispielsweise um die Bedeutung der Freiberger Münzstätte, die einst als eine der bedeutendsten in Europa galt.“
Dabei erhielten die Intentionen der Münzfreunde mit der Bewerbung zur Aufnahme in die Unesco-Welterbeliste einen besonderen Impuls. „Damals waren wir uns einig, auch wenn es nicht zur Verleihung des Welterbetitels hätte kommen sollen, so bleibt den Menschen vor Ort ihr Bergbaugebiet, auf das sie sehr stolz sind“, erinnert sich Helmut Herholz. Der zählt zu Fachleuten, für die Bergbau, Hüttenindustrie und Münzwesen eine unabdingbare Symbiose verkörpern. Er spricht von einer Dreieinigkeit. „Das gewonnene Erz nützte doch nur durch seine Weiterverarbeitung. Und das Silber in Münzen umzuprägen machte es erst werthaltiger. So wurde der Reichtum dieser Region erarbeitet, der wiederum die Weiterentwicklung unter dem Motto Alles kommt vom Bergwesen her begründete.“
Das erste von den Numismatikern nach akribischer zweijähriger Vorarbeit vorgelegte Exemplar widmete sich 2018 dem Anlass „850 Jahre Entdeckung Silbererz in Freiberg“. „Dabei greifen wir gemäß der Sage das Geschehnis auf, dass einem Fuhrmann um 1168 bei einem Salztransport nach Böhmen während der Fahrt durch eine Furt des Loßnitzbaches hellglänzende Bleierzbrocken im Geschiebe aufgefallen sein sollen“, sagt Helmut Herholz, der die thematischen Grundlagen für die Medaillen erarbeitet. Die ersten 150 Exemplare in Kaiserzinn sowie einer edleren Ausgabe in Feinsilber waren sehr begehrt und weckten das Interesse einer großen Sammlerschar. „Diese erfreuliche Nachfrage ließ uns die Entscheidung treffen, die nachfolgende Motive in Größenordnungen von bis zu 500 Stück auflegen zu lassen.“ 2019 ließen die Freiberger das Thema des Bergbaus am Rothen Berg in Erla folgen. „In der Umgebung von Schwarzenberg waren diese Eisenerzlagerstätten für Sachsen von größter Bedeutung.“

Gerade die Herausgabe der dritten Medaillenvariante profitiert vom erfolgreichen Verlauf des Welterbe-Projektes. „Die Ausführung des Themas 500 Jahre Münzstätte und Bergstadt St. Joachimsthal stand unter dem Eindruck der vollzogenen Aufnahme der „Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří“ zum UNSECO-Welterbe“, erzählt Helmut Herholz. Mit seinen Vereinsfreunden hat er das damalige historische Geschehen auf 50 Millimetern Medaillendurchmesser fixiert. „In der Siedlung im „Thal“ entwickelte sich der Bergbau auf Silbererze seit 1516 mit stetig steigender Ausbeute. Graf Stephan Schilk und seine Brüder betrieben als Förderer und Profiteure den Silberbergbau. Nach zähen Verhandlungen gewährte ihm der böhmische Landtag im Januar 1520 das Recht zur Münzprägung und die Ausbringung der Joachimsthaler Guldengroschen. Dieses Ereignis jährte sich jetzt.“

Die Medaillenserie ist Arbeitsergebnis eines Teams begeisterter und vor allem handwerklich befähigter Mitstreiter. Während Helmut Herholz für die inhaltliche Fachberatung und die Elemente der Bildgestaltung verantwortlich zeichnet, setzt Vereinsmitglied Lothar Schumacher diese Vorgabe als grafische Lösung um. Bei Ralf Exner aus Dresden liegt die Herstellung der Stempel, dessen filigranes Können eine weitere wesentliche Basis des gelungenen Projektes verkörpert. Mit der 1. Dresdner Medaillenmünze Glaser & Sohn haben die Herausgeber eine renommierte Firma gewinnen können. „Unabdingbar ist für uns zugleich ein Miteinander mit den jeweiligen Bergbauregionen und den Kommunen. Unsere Medaillen sind auch Ergebnis ihrer Vorschläge, sie bringen sich mit ein, schließlich sollen die Exemplare ja auch als Elemente des Marketings für diese Standorte verwendet werden“, so Helmut Herholz.[/ihc-hide-content]





