Jede Menge Holz rollt per Schiene

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Seltenes Ereignis einer Bahnverladung im Gelände des Bahnhofs Zschopau: Jeweils bis zu 55 Tonnen Holz fasst jeder der zwanzig Spezialgüterwagen. Foto: Christof Heyden

Zschopau. Jede Menge Holz ist zum Wochenende aus dem Erzgebirge auf Reisen nach Bayern gegangen: Per Eisenbahn rollt ein Gütertransport der speziellen Art von Zschopau nach Süddeutschland. An zwei zurückliegenden Tagen stand der Bahnhof der einstigen MZ-Stadt wieder einmal im Blickpunkt von Fotografen und Schaulustigen. Sie verfolgten die hier im Alltag kaum noch vollzogene Verladung von Fracht.

Wagenmeister Michael Heisig von der Firma MDR-Railway Service aus dem thüringischen Auma Weidetal dirigierte die im Takt ankommenden Brummis und das Verladen derer Fracht auf die Spezialwaggons. „Wir transportieren die Baumstämme, von denen einzelne schon Mal bis  zu 500 Kilogramm auf die Waage bringen, aus hiesigen Wäldern ab. Sie allesamt sind Borkenkäfer bedingt geschlagen worden. Es ist ein Auftrag eines privaten Unternehmers, der das Naturmaterial erworbenen hat“, so der Dienstleister.

In Regie von Wagenmeister Michael Heisig vom Unternehmen MDR-Railway Service wird Borkenkäfer bedingt geschlagenes Holz aus den Wädern des Erzgebirges verladen und für den Transport ins Sägewerk Hengersberg. Foto: Christof Heyden

Insgesamt 20 Spezialwaggons wurden am Donnerstag und Freitag beladen und für die Fahrt ins bayrische Sägerwerk Hengersberg bei Deggendorf vorbereitet. „Durch die Länge der Wagen vom Typ Snps haben wir den Zug in je pro Tag zehn zu bestückende Exemplare geteilt. In Chemnitz wurden er dann wieder zusammengestellt“, so Heisig.
„Die Snps-Wagen sind speziell zum Transport von Rohren, Stamm- und Schnittholz gedacht. Jeder der Wagen wird mit rund 55 Tonnen Holz beladen, weitere 30 Tonnen bringt jeder der Wagen selbst mit.“ Der Fachmann erklärt, dass die Eisenbahnvariante wesentlich effektiver als der Versand per Lkw ist, da jeder Waggon mehr als zwei beladene Brummis aufnehmen kann.

Seltenes Ereignis einer Bahnverladung im Gelände des Bahnhofs Zschopau: Holz aus den Wäldern des Erzgebirges wird auf Spezialwaggons verladen und für den Transport ins Sägewerk Hengersberg vorbereitet. Foto: Christof Heyden

Zu den Beobachtern der Szenerie gehörte Norbert Krannitz. „Holz wurde in der hiesigen Bahngeschichte nie in einer solchen Dimension verladen“, sagt der 78-Jährige. Und der muss es wissen, war er bis 1998 einer der letzten Fahrdienstleister hier am Standort.

„Der Zschopauer Bahnhof hatte einst eine enorme Bedeutung für den Transport von Wirtschaftsgütern. Das war vor allem Kohle als Ladegut, täglich galt es 15 Waggons zu rangieren. Und natürlich die Motorräder von MZ, die von hier aus in alle Welt verschickt worden sind. Einst standen auf dem weiträumigen Gelände bis zu 100 verschiedene Waggons, herrschte Betriebsamkeit“, erklärt der Reichsbahninspektor, der 1957 seinen beruflichen Werdegang bei der Eisenbahn startete.

Seltenes Ereignis einer Bahnverladung im Gelände des Bahnhofs Zschopau: Jeweils 80 Tonnen schwer ist ein Waggon, allein die Fracht bringt auf jeden der Wagen 55 Tonnen auf die Waage. Foto: Christof Heyden

Wie andere Beobachter lobte er die Verfahrensweise, das Stückgut via Gleis zu transportieren. Gerade unter dem Umweltaspekt zeige sich, wie sinnvoll es bleibe, über Anschlüsse und Verladestellen per Eisenbahn zu verfügen.