Statt Noten das Waschleinensystem

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Natur und Musik heißen die Trümpfe der Erzgebirgischen LiederTour, die am 19. August 2018 ihre 8. Auflage erleben wird. Tausende sind dann wieder auf Schusters Rappen mit dabei.

Zöblitz/Hundshübel. Wandernd reizvolle Flecken der Region entdecken und sich an den Darbietungen gestandener Musikanten erfreuen: Darauf setzen die Gastgeber der BaldaufVilla in Marienberg um Constanze Ulbricht mit dem Projekt der Erzgebirgischen Liedertour. Wenn es nun die Morgensternhöhe zwischen Zöblitz und Ansprung hinauf und entlang des Europäischen Fernwanderweges E3 Richtung Rübenau gehen wird, sind auch De Hundshübler Konzertinafreunde mit von der Partie. Am Ullersdorfer Teich werden die Musikanten bis 10 bis 17 Uhr aufspielen und mit einem zünftigen Programm die Gäste unterhalten.

Andreas Riedel gilt als musikalischer Botschafter mit Konzertina aus Hundshübel. Foto: Christof Heyden

Das musikalische Sagen hat dabei Andreas Riedel. Der Hundshübler zählt längst als einer der profiliertesten Akteure an dem Instrument und gilt als Botschafter dieser Spielweise über Erzgebirgsgrenzen hinaus. „Von frühester Jugend an begeistert mich die Konzertina. Zunächst als Bub das Akkordeonspielen erlernt, sind Handharmonikas aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken“, so der 53-Jährige. Dabei schwört der gelernte Schlosser mit den beweglichen Fingern auf Instrumente Made in Germany und insbesondere aus Sachsen. „So zählen Konzertinas von Eduard Haustein aus Zwickau-Neuplanitz und jene in Carlsfelder Tonlage gestimmten Instrumente zu den Favoriten.“

Der Fachmann nennt Gründe: „So begeistert mich die leichte Tonansprache, der geringe Luftverbrauch des Balks und die engere Griffanordnung der Tasten.“ So spielt und sammelt er vor allem die Exemplare. „Ich will meinen Beitrag leisten, dass dieses Instrument nicht ausstirbt.“ Und dazu zählt für Andreas Riedel auch, Interessierten Unterricht zu erteilen. Selbst aus Chemnitz machen sich Fans der Konzertina bzw. des Bandoneons (wird nach Anzahl der Taten unterschieden) zu ihm auf den Weg. So spielen und verstärken unterdessen seine Frau und die Kinder das Ensemble der Konzertinafreunde, wie er Bekannten und Verwandten die Spielweise näher gebracht hat.

So sieht ein Notenblatt für die Konzertinaspieler aus. Foto: Christof Heyden

„Dabei spielen wir nicht nach Noten. Das Besonderes unserer Musizierweise: Zahlen symbolisieren, welche Bass- bzw. Melodienote zu spielen ist. Waschleinensystem wird zu diesem Prinzip gesagt“, erklärt der Experte. Wer glaubt, dass das Repertoire auf einige Märsche und Walzer begrenzt bleibt, der irrt gewaltig. „Klar, dass das Erzgebirgische Liedgut gepflegt wird. Aber längst spielen wir auch Musicals oder Schlager. Otto-Reuther-Couplets zählen da genauso dazu, wie Operettenklassiker. Die Herausforderung besteht darin, die vorliegenden Notensätze in die Zahlenschreibweise zu übersetzen. Aber das beherrsche ich“, sagt Andreas Riedel. Erst jüngst hat er binnen zwei Tagen den Hit „Ich war noch niemals in New York“ von Udo Jürgens für Konzertinaspieler übertragen.

Sogar alte Schalllackplatten hört Andreas Riedel ab, um sie in Konertinanotenschrift zu übersetzen. Foto: Christof Heyden

Zum 4. Mal wird Andreas Riedel zur Liedertour dabei sein. Greifen die Musikanten in die Tasten und singen zünftige Liedchen, wird die Stimmung, egal bei welcher Wetterlage, garantiert launig angeheizt. „Dann können sich Unternehmungslustige überzeugen, ob wir zu richtigen Zeit den richtigen Tonknopf drücken“, schaut er lachend voraus. Dass er dies mit seinen Kollegen vorzüglich beherrscht, beweisen anerkennende Worte des Publikums: „Die spielen schöner als ein Radio.“