Kaufangebot namens Unverpackt

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Ina Hoyer hat in Chemnitz den ersten Laden eröffnet, der auf Kunststoffverpackungen verzichtet. In sogenannten Getreide-und Rreissäcken wird Ware gehandelt. Foto: Christof Heyden

Lebensmitteleinkauf ohne Kunststoffverpackung, Plastikhülle oder beschichtetes Papier? Ein neu eröffneter Laden wagt dieses Projekt.

Chemnitz. Der „Unverpackt Laden“ in Chemnitz liefert den Beweis, dass Kunden im Alltag durchaus einen die Umwelt und Materialressourcen schonenden Beitrag leisten können. „Mehrweck statt Einweg lautet eine unserer Devisen“, sagt Ina Lorenz. Die Frankenbergerin, auch als Geschäftsführerin des Landwirtschaftsbetriebes Bunte Kuh den ökologischen Wirtschaftsprinzipien verpflichtet, ist Ideengeberin des ambitionierten Einzelhandelsprojektes in der Großstadt.  Auf (noch) kleinem Raum findet ein von Apfel bis Zuckerrübe einige Hundert Artikel zählendes Sortiment seinen Platz. Auffällig: die ungezählten Gläser unterschiedlichster Darreichungsform, wie so genannte Getreidesäcke. In denen werde beispielsweise Grüne und Rote Linsen, Basmati-Reis, Greis, Leinensamen und Sesam aufbewahrt. Per speziellem Verschluss ordern Kunden ihre gewünschte Menge. Gläser dienen genauso Makkaroni und Spaghetti als Warenauslage. In Körben und Säcken liegen Landwirtschafterzeugnisse wie Kartoffeln oder Tomaten bereit.

Chemnitz. „Unverpackt und ökologisch“ heißt das Projekt von Ina Hoyer. Foto: Christof Heyden

„Beim Verkauf verzichten wir auf Kunststoffmaterialien. Unsere Ware geht per Glas, Baumwollbeutel oder in recycelbaren Papier über den Ladentisch.“ Als Erziehungs- und Gewöhnungsaufgabe sieht die promovierte Wissenschaftlerin das geschäftliche Miteinander mit den Kunden. Denn: Jene dieses Vorhaben unterstützende Einkäufer bringen schon längst eigene Taschen oder Gläser mit. Andere versuche sie für dieses Prinzip zu gewinnen. „Gegen den Verpackungswahnsinn richtet sich der Mehrweck-Gedanke: Wir setzen auf ein Pfandsystem der in drei Größen verfügbaren Gläser.

Das Angebot richtet sich vor allem an jene, die die vegane Lebensweise bevorzugen. Es werden keine Fleisch- und Wurstwaren angeboten. „Indes halten wir ein Sortiment bereit, welches auch anderen Konsumenten zahlreiche Dinge des Alltags bietet“, sagt Ina Hoyer. „Und das ist vor allem von Regionalität und der jeweiligen Jahreszeit bestimmt“, erklärt die 47-Jährige. „Das heißt zum Beispiel, dass wir darauf achten, woher die Erzeugnisse kommen, wir versuchen Lkw-Transportanlieferungen aus anderen Teilen Deutschlands zu vermeiden.“

Gläser dienen als Aufbewahrungs- und Transportbehältnis. Foto: Christof Heyden

„Es ist auch unser Konzept, notfalls einmal auf ein Angebot zu verzichten: Etwa bei Äpfeln. Wenn diese saisonal oder regional nicht verfügbar sind, heißt es sich zu gedulden“, so Hoyer, die bei ihrer Kundschaft durchaus Verständnis erntet, etwa die in Supermärkten gehandelten Kernfrüchte nicht auch aus Südamerika zu ordern. „Zudem setzen wir auf heimische Sorten, die sich nicht dem von der Industrie geprägten Geschmacksverhalten unterwerfen.“

Als Beispiele für einen von ökologischen Aspekten geprägten Einzelhandels gelten im Sortiment etwa Zahnputzbürsten, die mit Holzstil versehen sind oder weitere wechselbare Bürstenköpfe umfassen, oder Wattestäbchen, die statt mit Plastikstab aus Papier bestehen. „Gerade im Non-Food-Bereich würde ich perspektivisch ein noch viel breiteres Angebot unterbreiten wollen. Da gibt es eine Vielzahl von Waren, etwa Waschmittel und Seife, die dem Umweltgedanken verpflichtet sind.“

Derzeit erweitert der Unverpackt Laden sein lukullisches Angebot. „Wir offerieren eine Müslibar. Entweder für den Verzehr im Geschäft oder für zu hause kredenzen wir ein Frühstücksangebot, welches nicht mit Konservierungsstoffen haltbar vorgefertigt oder tiefgekühlt auf den Tisch kommt.“ Ein Angebot, welches noch mehr aufgeschlossene Verbrauchergaumen gewinnen will.