Leisnig. Seit zehn Jahren unterstützt das Projekt „Zwischenstopp“ in Bockelwitz suchtkranke Männer in einer besonders schwierigen Phase: zwischen Entgiftung und Rehabilitation. Abstinent leben, gemeinsam wohnen, arbeiten und wieder Verantwortung übernehmen – mit diesem Konzept bereitet das Projekt die Teilnehmer auf ein selbstbestimmtes Leben und die Rückkehr in die Arbeitswelt vor.
Eine Suchterkrankung kann Betroffenen die Perspektive nehmen und den Weg zurück in ein geregeltes Leben und in Arbeit erschweren. Wer sich für einen Entzug entscheidet, hat deshalb einen wichtigen Schritt geschafft. Doch gerade die Zeit danach birgt Risiken: Eine qualifizierte Entzugsbehandlung dauert in der Regel nur wenige Wochen. Bis eine mehrmonatige Entwöhnungsbehandlung beginnen kann, vergehen mitunter Wochen oder gar Monate. Ohne Unterstützung und eine feste Tagesstruktur steigt in dieser Zeit die Gefahr eines Rückfalls.
Genau hier setzt seit Juni 2016 das Projekt „Zwischenstopp“ in Bockelwitz bei Leisnig an. Es richtet sich an Männer ab 18 Jahren mit Alkohol- oder Drogenabhängigkeit, die eine qualifizierte Entzugsbehandlung abgeschlossen haben und auf den Beginn ihrer Rehabilitation warten. Bis zu neun Bewohner finden gleichzeitig Platz. Möglich wird das Angebot durch die Zusammenarbeit verschiedener Partner aus Suchthilfe, Medizin und Sozialarbeit.
Das Besondere an „Zwischenstopp“ ist die Verbindung von abstinentem Leben, Wohnen und Arbeiten. Ziel ist es, die Abstinenz zu stabilisieren, wieder eine feste Tagesstruktur aufzubauen und Selbstständigkeit und Verantwortungsübernahme zu fördern. Damit sollen zugleich Voraussetzungen für eine spätere Integration in den Arbeitsmarkt geschaffen werden.
Die Bewohner arbeiten verpflichtend entsprechend ihres individuellen Leistungsvermögens in unterschiedlichen Bereichen. Dazu gehören Garten- und Landschaftsbau, Holzbearbeitung, Küche und Wäscherei sowie die Pflege des Hofes und seiner Umgebung. Sportliche Aktivitäten und verschiedene kreative Angebote ergänzen den Alltag.
Begleitet werden die Teilnehmer therapeutisch und psychologisch. Zum festen Programm gehören unter anderem wöchentliche Suchtberatung, Ergotherapie in der Gruppe, psychologische Gespräche und Gruppengespräche. Hinzu kommen eine regelmäßige fachärztliche Weiterbehandlung sowie weitere Angebote. Das Team unterstützt die Bewohner außerdem bei Bedarf bei Behördengängen und der Organisation ihrer Finanzen.
Seit dem Start haben rund 200 Männer das Angebot genutzt. Die große Mehrheit von ihnen wechselte anschließend in eine Langzeittherapie. Auch über das Jubiläumsjahr hinaus soll das Projekt eine Perspektive haben. Der Verwaltungs- und Finanzausschuss hat entschieden, dass der Landkreis „Zwischenstopp“ bis einschließlich 2028 mit bis zu 60.000 Euro jährlich fördern möchte. (PM)
Anlässlich des Jubiläums ist ein kurzer Film über das Projekt entstanden: https://youtu.be/xixqg7M0nPI


