Herausgeputzt gehen Merle und Alfons an Wochenenden auf Hochzeitsfahrt: einer Kutsche vorgespannt zuckeln die Vierbeiner Brautpaare in ihr Liebesglück.
Eppendorf. Roy Breitkreuz-Seyfert führt die Zügel dieser pferdestarken Zeitreise in einem Umfeld, dessen Alltag fast nur noch vom Taktschlag kraftstofffressender Mobile bestimmt wird. „Derart Ausfahrten bilden ein Standbein unseres Dienstleistungsangebots. Vielerorts sind wir mit unseren Gespannen zu derart erfreulichen Anlässen unterwegs“, so der Eppendorfer, der mit Ehefrau Lysann den Fuhrbetrieb im Nebenerwerb ausübt.
„Ob Heiratsantrag und Eheschließung, Silberne und Goldene Hochzeit, Familienfeier und Klassentreffen, gern genießen unsere Kunden ohne Tempohast die die Landschaft und erfreuen sich am Klappern der Hufe.“ Jüngst wurden Schulanfänger chauffiert und auch zu Babypartys waren die Vierbeiner schon eingeladen. „Selbst zu Fotoshootings haben wir Merle. Aron, Holly und Wicki schon herausgeputzt. Sie zieren Einladungen und private Erinnerungsbilder.“

Seit 2014 führen die Eppendorfer den Fuhrbetrieb, zu dessen Team acht Vierbeiner der Rassen Kaltblüter und Friesen zählen. „Auf dem Lande groß geworden, waren Pferde immer eine Leidenschaft. Es lag nahe, auch beruflich mit Tieren zu arbeiten. Daher erwarben wir fachliches Rüstzeug und absolvierten die Gespannführerausbildung und haben den Kutschenführerschein in der Tasche“, erklärt Roy Breitkreuz-Seyfert. Eine solide Sachkunde-Qualifikation nennt er als wichtige Basis, das Miteinander von Tier und Mensch im Straßenverkehr handeln zu können. „Der Alltag zeigt, dass unerfahrenen Akteuren Fehler unterlaufen können, Unfälle passieren.“
Alles rund ums Anspannen lautet das Motto der Dienstleister. Dazu zählen Transportleistungen und vor allem auch Holzrückarbeiten für Forstbesitzer. Die Kaltblüter erweisen sich dabei als bärenstarke und trittsichere vierbeinige Arbeitskollegen. Die werden genauso gern zu Festumzügen und Feierlichkeiten gesehen.
So zu zurückliegenden Schauübung im Rahmen des 100-jährigen Jubiläums der Freiwilligen Feuerwehr Kleinhartmannsdorf: die Brandlösch-Vorführung alter mit Pferden bespannter Handdruckspritzen waren ein Höhepunkt dieses Jubiläums. Die Organisation dieses Programmpunktes war ein Beitrag von Lysann und Roy Breitkreuz-Seyfert, die beide Mitglieder der Feuerwehr sind.

„Auch Themenfahrten zu Burgen der Region gehören zum Angebot, wie wir Junggesellenabschiede unterstützen. Dafür planen wir bestimmte Streckenführungen, gleiches gilt für Picknick-Touren. Mit unseren Gästen steuern wir Grillplätze oder touristische Sehenswürdigkeiten an“, so der36-Jährige. Gefragt sind zu kalten Jahreszeit die erwärmenden Lichterfahrten. „Uns wir laden zur Schlittenparty ein. Dabei sind wir von Frau Holle unabhängig“, verrät Roy Breitkreuz-Seyfert. „Wir besitzen eine spezielle Konstruktion. Bei fehlendem weißen Pulverbelag werden kleine Hilfsräder ausgefahren. Fast so wie die Rollerski der trainierenden Wintersportler.“
So vielseitig die Anlässe- das Fuhrgeschäft mit 2PS-Antriebsmaschinen wird dennoch immer rarer. „Der Fuhrmann ist ein aussterbender Beruf. Moderne Zeiten setzen auf Tempo, da wird eine Kutsche im Straßenverkehr schnell zum Aufreger“, so der Fachmann. Und das umso mehr, hinterlassen die Akteure ihre Pferdeäpfel auf dem Asphalt. Selbst auf dem Lande sorgt dies für Ärger, gilt selbst hier dem einst so geschätzten natürlichen Dünger kaum noch die Begier. Schaufel und Besen sind bei gestandenen Fuhrleuten immer an Bord, sauberes Handwerk zeichnet sie aus. (hy)




