Seit über 30 Jahren begeistert die hiesige Schauspieltruppe mit herzerfrischenden Aufführungen. Jetzt werden die Meister des erzgebirgischen Zungenschlags für ihren Beitrag gewürdigt
Gehringswalde. Die Gemeinde kennt im kulturellen Dorfleben einen eisern gepflegten Brauch: Vorhang auf! heißt es Jahr für Jahr zum 3. Advents-Dezemberwochenende. Mit der Premiere der jeweils jüngsten Inszenierung läuten die Akteure des hiesigen Mundarttheaters zünftig die Weihnachtszeit ein und sorgen in der nachbarschaftlichen Gemeinschaft für ein emotionales Hochgefühl. Die Erstvorstellung bildet regelmäßig den Höhepunkt des urigen unverrückbaren Hutzenabends des gastgebenden Heimatvereins und symbolisiert den Saisonstart für die Hobbyschauspieler.
Derzeit neun Mimen und zwei Souffleusen lassen in der Regel bis in den darauffolgenden Monat März ungezählte Zuschauer in rund zwei Dutzend Gemeinden des Erzgebirges an ihrer Spiellaune teilhaben. Längst gelten Eintrittskarten zu den Theateraufführungen allerorten als Bück-Dich-Ware und liegen auch schon mal unter dem Geschenkebaum.
„Das Interesse an derart Brauchtumspflege ist enorm, wenngleich die Mundart in unseren Gefilden eher immer spärlicher gesprochen wird“, konstatiert Jens Wünsche. Der gehört von Beginn an zur Truppe und agiert seit 2010 als Vorsitzender des 60 Mitglieder zählenden Heimatvereins. „Was heute als gesetzter Termin gilt, erlebte 1994 seine Erstauflage“, erinnert sich der Gehringswalder. „Die Hutzenohmd-Idee wurde in launiger Runde geboren und die Frage stand im Raum: was bieten wir mehr als Kaffee, Stollen und Glühwein?“
Die Antwort war schnell gefunden. „In den 1950er Jahren extierte eine Truppe, wir beschlossen, dieses Hobby wieder aufleben zu lassen“, sagt Jens Wünsche „Zunächst griffen wir auf vorhandene Rollenbücher zurück, die bei ehemaligen Mitspielern aufgestöbert wurden.“ Das Vorhaben kam beim Publikum gut an. „Dennoch waren wir gefordert, uns zu befleißigen, zeitgemäßere Stücke zu finden und auch an der Bühnenpräsentation zu arbeiten.“
Als eine Herausforderung erwies sich zunehmend die Rollenbesetzung. „Wir brachten nicht immer die Leute auf die Bühne, die gefordert waren. Waren etwa vier Männer zu besetzen, konnten wir eben nur zwei aufbieten. Frauen mussten in Herrenrollen schlüpfen. Das wollten wir ändern.“ Daher erfuhr das Geschehen mit Andreas Loos einen enormen Qualitätszuwachs. Als Einheimischer bereits Ensemblemitglied, griff der aufgeweckte Zeitgenosse zu Stift und Papier und machte sich ans Schreibwerk: seit 2000 zeichnet der jetzige Gelenauer für die Textbücher verantwortlich.

Insgesamt 15- bis 17 Vorstellungen spielen die Gehringswalder pro Saison, sind zwischen Arnsfeld und Wernsdorf, Dittmannsdorf und Pobershau, Krumhermersdorf und Thum unterwegs. In der startenden Spielzeit werden sie die insgesamt 300. Vorführungen feiern können. Am heutigen Mittwoch richten sich die Blicke aus erfreulichem Anlass auf die Gehringswalder.
Der Erzgebirgskreis zeichnet sie mit der Ehrung Ehrenamt des Monats 2025 aus und würdigt deren kulturellen Beitrag zur Brauchtumspflege. Gerade deren Bemühen um den heimischen Zungenschlag hat ihnen auch die Nominierung zum bevorstehenden Ehrung Erzgebürger des Jahres 2025 eingebracht. (hy)





