Weltneuheit kreiselte im Zschopautal

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Besonderes Zeitdokument: Bereits zu DDR-Zeiten beschäftigten sich Bergbaufreunde mit dem Standort in Schönborn. Doch seinerzeit war dieses Hobby nur innerhalb des Kulturbundes auszuführen, Besucher durften noch nicht in das sehenswerte Gelände einfahren. Foto: Christof Heyden

Alles kommt vom Bergwerk her lautet ein geflügelter Spruch im Erzgebirge. Auch ein untypisches Revier kann da punkten: Schönborn im Mittleren Zschopautal.

Rossau. Gerade in der romantischen Flusslandschaft mit dem Bergrücken Biege bei Schönborn verbindet sich ein herausragendes Kapitel der Technik- und Fördergeschichte: Hier, im „Alte Hoffnung Erbstolln“ wurde die erste untertägige Turbinenanlage in der so renommierten Freiberger Bergbauregion 1843 in Betrieb genommen. Dank dieser zu jener Epoche innovativsten Konstruktion eines Kreiselrades wurde es überhaupt möglich, am Standort über 240 Meter tief unter dem Wasserspiegel der Zschopau Erz abzubauen und für fast fünf Jahrzehnte bis zu 300 Bergbauarbeitsplätze vor Ort zu unterhalten. An diesem Flecken wurden Kupfer und Silber, aber auch Blei und Nickel gefördert.

Seit dem Wochenende erinnert 120 Meter tief im Berg eine in der Radstube angebrachte Gedenktafel an Benoit Fourneyron, den Vater dieses Techniksystems, der 1827 die erste zentrifugale Turbine der Welt entwickelte. „Zudem erinnern wir darauf an Christian Friedrich Brendel, den Kunstmeister und Maschinendirektor im Sächsischen Berg- und Hüttenwesen, der Grundlagen für den Einsatz des Systems hier in Schönborn schuf“, begrüßte Gerold Riedl, Vereinsvorsitzender der Alte Hoffnung Erbstolln am Sonnabend eine wissbegierige Publikumsschar.

Eine durchsichtige Kunststofftafel erinnert in der Radstube an die Technikgeschichte. Foto: Christof Heyden

Im Sinne des Vereinszwecks, Technik und Bergbaugeschichte erlebbar zu machen, erfolgte die Einweihung der Gedenktafel, die durch Spenden finanziert wurde, nicht minder terminorientiert. „Es ist überliefert, dass in der zweiten Novemberwoche jenes Jahres 1843 das Kreiselrad in Betrieb genommen worden ist“, so der Bergmeister im sächsischen Landesverband der Bergmanns-, Hütten- und Krippenvereine. Dieses 175-jährige Geschehen würdigten die 14 aktiven Vereinsfreunde jetzt genauso, wie jüngst das 40-jährige Bestehen ihrer Interessenvereinigung. „Unsere Tätigkeit war 2018 von diesen beiden Höhepunkten bestimmt“, so der engagierte 56-Jährige.

Und der hält mit seinen Bergbrüdern daran fest: Einmal ein funktionstüchtiges Modell dieser einzigartigen Anlage den Besuchern zeigen zu können. Einige der früheren technischen Gegebenheiten wurden mit viel Enthusiasmus rekonstruiert: Dazu zählen Kunstwinkel und Pumpsatz zur Wasserhebung samt sicherem Ausbau der Strecke.

Das Geleucht wird gecheckt: Gerold Riedl, links und Christian Bäßler. Foto: Christof Heyden

Doch damit nicht genug.„Das Kreiselradgezeuge soll wieder aufgebaut werden, wir wollen mit bewegenden Zahnrädern, Kurvenscheiben und Gestängen zeigen, wie modernste Wasserhaltung im 19. Jahrhundert funktionierte“, lautet in Schönborn die motivierende Devise. Dabei bieten die Gastgeber deutschlandweit bereits einzigartiges: Besucher fahren in den Clementine Kunst- und Treibeschacht per Boot ein. „Nur an unserem Standort gibt es dies“, bietet Bärbel Schwarzberger den Gästen dieses Erlebnis, Geschichte anzufassen und zu atmen. Auch am Sonnabend nahmen Neugierige aller Altersklassen im Kahn Platz, um ins Innere des Berges entlang des Gesteinsganges zu gelangen. „Dieser Fakt ist einer der Trümpfe, unser Lehr- und Besucherbergwerk kennen zu lernen, welches seit 1990 bislang 90.000 Besucher aus dem In- und Ausland angelockt hat“, berichtet die Schatzmeisterin des Vereins. Und die muss auch weiterhin die Geldmittel im Auge behalten. Auf etwa 150.000 Euro wird dieses Projekt veranschlagt. „Dieser Betrag umfasst die Materialien, Maschinen und Handwerkerleistungen, unser Manpower bringen wir in bewährter Manier ehrenamtlich ein“, blickt Gerold Riedl entschlossen nach vorn. Um diesen Betrag zu stemmen, organisieren die Schönborner regelmäßig Besuchertage, laden zu Sonderveranstaltungen unter Tage ein.

Schatzmeisterin Bärbel Schwarzberger gehört zum fachkundigen Führungspersonal. Foto: Christof Heyden

„In den Adventstagen sind zwei Neuauflage unserer Konzerte im Schacht zu erleben“, blickt der gelernte Zerspaner und studierte Maschinenbauer nach vorn. „Für den am Samstag den 08. Dezember mit dem Ottendorfer Brass- und Swingorchester terminierten Auftritt, sind Karten erhältlich. Beginn14.00 Uhr,  Einfahrt in den Schacht ab 13.00 Uhr.“ Ins Schwitzen werden die Hobby-Bergleute auch in den kommenden Weihnachtstagen in ihrem schmucken Habit kommen. „Der Verein wird sich auf den Bergparaden des Sächsischen Landesverbandes präsentieren und gerade die untypische Bergbauregion Mittweida und Mittleres Zschopautal in den Blick stellen“, freut sich Gerold Riedl auch auf diese dem Brauchtum verpflichtete Aufgabe.