Swingender Schulausklang

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Holger Bachmann steht der Big Band vor, die als klangvolles Schmuckstück der Oberschule in Eppendorf gilt. Foto: Christof Heyden

„Hallo Dolly“ heißt es Freitagnachmittag vielstimmig in der Oberschule Eppendorf. Dabei hat die Pausensirene die jungen Leute längst in das Wochenende entlassen.

Eppendorf. Doch im Kellergeschoss blasen zwei Dutzend Schüler auf den verdienten Schulschluss. Die Big Band der Schule probt, bei Sechst- bis Zehntklässler ist noch einmal Puste verlangt. Schul- und Bandleiter Holger Bachmann versteht es geschickt, die Akteure taktvoll zu motivieren. Gefordert sind Lena, Lusy, Laura und Benjamin: Den Saxophonstimmen gehört bei dem Klassiker die Melodiestimme. Und die will erarbeitet sein. In den kommenden Minuten quälen sich die Oberschüler durch anspruchsvolle Notenliteratur. „Die Halben nicht so lang spielen“ schnarrt der Chef. „Müssen wir F oder Fis? spielen“, fachsimpeln Lusy und Laura zwischen zwei Atemzügen.

Philipp und Nick zählen eine Achtelpause aus. Foto: Christof Heyden

Die Trompeter Philipp und Nick debattieren, ob eine kleine Pause mit einem Augenplinseln umschrieben werden kann. Ihre Stimmphrase lebt von diesem Detail. „Ihr müsst ordentlich zählen, sonst schwimmt uns das alles weg“, mahnt Holger Bachmann. Und singt,  um den noch unsicheren Melodiestimmen den Weg zu bahnen, mehrmals mit.

Schnell wird klar, wer unter der Woche geübt hat, welche Registerproben erfolgreich verlaufen sind, um hier zusammengeführt zu werden. „Wir versuchen täglich zu proben, so gut es geht“, sagt Lena. Der hat es das Altsaxophon angetan. „Zum Schuljahresauftakt gibt es in Eppendorf die obligatorische Projektwoche, da können Schüler der 5. Klasse auch einmal alle Instrumente ausprobieren“, erklärt die Siebtklässlerin, die wie die meisten ihrer Mitspieler Neueinsteigerin ist. Allein eine Leihgebühr für die Instrumente müssen die Eltern der Schüler entrichten.

Die saxofone führen bei Hallo Dolly die erste Stimme. Foto: Christof Heyden

Klar, dass Späße gerissen werden, der Orchesterboss einen Kurzplausch zulässt, um das Nervenkostüm wieder zu straffen.  „Was, einer zu wenig? Echt?“ Bassmann Jeremias ist für den Augenblick irritiert, schließlich muss er sich durch einen ganz schönen Berg Noten kämpfen. Also, nochmals von vorn, Holger Bachmann steht ihm jetzt zur Seite und summt Takt schlagend mit: Es passt. „Schnell spielen ja, aber das heißt auch, nicht aus dem Rhythmus kommen“, werden nun die Trompeter Luc, Moritz, Jakob und Jonas ermahnt. Denn ihnen kommt die, die Saxophone begleitende Stimme zu. Und da gilt es vor allem, aufeinander zu hören. So mancher Tonstoß kommt noch zu früh.

Ne Menge Luft und Aufmerksamkeit sind nicht weniger bei Lucas und Aron gefragt: Mit ihren Tenorhörnern sorgen die beiden Achtklässler für den Nachschlag. Und der muss auf die Note sitzen, damit wirklich der swingende Foxtrott-Rhythmus zum Klang kommt. „Uns hat die tiefe Stimmfarbe gefallen und, dass man mit Hörnern sehr laut spielen kann“, sagt Aron. „Und wir geben dem gesamten Miteinander ein Gefüge, halten die Band zusammen“, ergänzt Lucas. Nach einem gefühlten Dutzend Versuchen kommen die verschiedenen Stimmen schließlich erstmals gemeinsam zur letzten Note. „Prima, jetzt wird’s“, lobt der Dirigent mit einem Blick auf die Uhr. Weiterer Feinschliff ist für heute nicht mehr möglich: die Busse warten. Das Wochenende bricht an. Erst in einer Woche heißt es wieder: Hallo Dolly.