Mundart ist niemals verstaubt

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Frank Mäder ist erstklassiger Musiker und ist in vielen Genres zu Hause. Vor allem heimisches Liedgut begeistert ihn. Foto: Christof Heyden

Den heimischen Zungenschlag und die Errungenschaften der Moderne versteht Frank Mäder zeitgemäß zu vereinen. Der Musiker, Autor und Kulturveranstalter gilt als Original.

Aue. Computer, Montainbike oder Smartphone sind für den sprachgewandten Autor nützliche Alltagsdinge und als solche allemal auch künstlerisches Sujets. Denn mit einem von den Erzgebirgern beim jüngst gesuchten Mundartwort als Rimwischkastel bezeichneten Smartphone zum Thema wusste er die Jury des renommierten Grenzgänger-Medienwettbewerbs zu begeistern. Die sprach dem 71-Jährigen den ersten Preis für seine Verse in der Kategorie Gedichte zu.

Dem Besucherbergwerk in Zschorlau gehört sein Herz genauso, hier ist er für das Veranstaltungsleben wie die legendären Mettenschichten mit verantwortlich. Foto: Privat

„Ich nenne es Gebrauchslyrik, die sich am Alltag orientiert“, sagt Frank Mäder, der sich aber weniger als mit Buchstaben zirkelnder Zeitgeist sondern viel mehr mit Noten und Instrumenten im Bunde sieht. In Auerhammer aufgewachsen, war der Erzgebirger über 40 Jahre als Elektriker im unweit vom Wohnhaus stehenden Halbzeugwerk Aue beschäftigt. In all den Jahrzehnten gehörte das Musizieren zu den größten seiner Leidenschaften. Von den Eltern inspiriert wächst er von Kindesbeinen an mit dem heimischen Liedgut auf, erlernt er das Gitarrespiel und kennt schon mit Hausmusik aufgewachsener Knirps die Vorbilder. „Klar, dass mich Anton Günther begeistert, aber auch Werke der Liedermacher und Mundartautoren wie Hans Soph, Max Nacke und oder Stephan Dietrich genannt Saafnlob zählen zum Repertoire.“

In unterschiedlichsten Formationen und zeitlicher Intensität frönt er auch als Familienvater seinem Hobby, trägt längst den Beinamen Anton Günther der Moderne. Zunächst bringt er in den Jugendjahren im Tonika-Sextett den Beat und Blues auf die Tanzsäle. Es wird gerockt. „Mundart spreche und singe ich damals eher nur am Stammtisch oder im Freundeskreis.“ Doch die Nachfrage nach Beiträgen heimischen Brauchtums wächst, Familien-, Betriebs- und Weihnachtsfeiern verlangen nach Originalen. Und so schlüpft Frank Mäder nach und nach in die Rolle des Mundartakteurs. „So bin ich beispielsweise viele Jahre mit dem legendären Werner Kempf aufgetreten, von dem habe ich mir das Fabulieren abgeschaut. Er hat seine Verse aufgesagt, ich habe gesungen.“ Um die Programme inhaltlich anzureichern, beginnt der eigene Texte und Gedichte zu schreiben.

Von 1989 bis 1993 gehört der Gitarrist zum Ensemble der renommierten Zschorlauer Nachtigallen. Rundfunk- und Fernsehproduktionen haben die Gruppe über Erzgebirgsgrenzen hinaus bekannt gemacht. Auch nach der Wende bleibt Frank Mäder als musikalisches Original im Bilde, so ist er wiederholt in der MDR-Reihe „So klingts im Ergebirge“ zu sehen und zu hören. Mit zwei CD-Produktionen hat er nicht nur in hiesigen Regionen Nachhall gefunden: Die von ihm nach Anton Günther geschaffenen Tonwerke „Es Laabn is e Büchel“ und der Liedserie von Heimat- und Vaterlandsliedern waren gefragt.

Gerade die kaum vorhandene Medienpräsenz der erzgebirgischen Mundart sieht der Künstler als einen Fakt, dass der heimische Zungenschlag auch im Alltag zu kurz kommt. „Was nicht im Fernsehen zu sehen oder im Radio zu hören ist, ist nicht in“, sagt der Fachmann des Dialekts. Um so mehr schlägt sein Herz für den musischen Nachwuchs. Frank Mäder gehört seit der zweiten Auflage zu den Machern der erzgebirgischen Liedertour, wie er junge Leute erfolgreich zum Nachwuchswettbewerb Jugendkulturtage des Erzgebirgsvereins geführt hat. „Da fühle ich mich schon verpflichtet, meine Erfahrungen weiterzugeben.“ Indes sieht er die Mundart nicht verloren. Er wisse um gute Beispiele engagierter Einheimischer, der heimischen Sprache die Akzente zu verleihen. „Sie ist alles andere als verstaubt.“