Die 33. Erzgebirgischen Schnitzertage am vergangenen Wochenende verwandelten das Kulturzentrum Erzhammer erneut in einen Treffpunkt von Tradition, Kunstfertigkeit und gemeinschaftlichem Engagement.
Annaberg-Buchholz. Rund 2.100 Besucher nutzten das strahlende Frühlingswetter, um die hohe Kunst des erzgebirgischen Schnitzens zu erleben – begleitet von Musik, spannenden Vorträgen, faszinierenden Schauvorführungen und zahlreichen weiteren Programmpunkten. Überall herrschte Freude, Staunen und Begeisterung, während die Gäste den talentierten Schnitzern über die Schulter schauten und sich von der Vielfalt der Exponate inspirieren ließen.
Die feierliche Eröffnung fand durch Landrat Rico Anton, Oberbürgermeister Rolf Schmidt und den Vorsitzenden des Verbandes Erzgebirgischer Schnitzer e. V., Jens Lasch, statt. In ihren Ansprachen würdigten sie besonders das außergewöhnliche Engagement der ehrenamtlichen Leiter der Schnitzvereine, deren Leidenschaft, Geduld und Herzblut dafür sorgen, dass diese jahrhundertealte Handwerkskunst lebendig bleibt.
Der mit Spannung erwartete Höhepunkt der Eröffnung war die Preisverleihung des ausgeblobten Wettbewerbs „Behütet“.
In der Kategorie Kinder (bis 12 Jahre) gewann Franz Pätz (7 Jahre, Schwarzenberg) erneut den ersten Platz für seinen „Schutzengel“. Friedrich Pätz (9 Jahre, Schwarzenberg) überzeugte mit „Ich lass Dich nicht hängen“ auf Platz zwei, während Lena Hladik (10 Jahre, Chemnitz) mit ihrem detailreichen Beitrag „Behütet – kleine Eule ist wasserscheu“ den dritten Platz belegte.

Bei den Jugendlichen (13 bis 20 Jahre) setzte sich Kevin Frevert (Zschopau) mit „Behütet ins Morgen?“ an die Spitze. Den zweiten Platz erhielt Hadessa Thomaß (Zschopau) für ihr filigranes Relief „Die Vogelhochzeit“, gefolgt von Martha Thomaß mit „Behütet und Geborgen“ und das Relief von Sebastian Kramer „Behütet durch den Miriquidi, mein Gott Zschopau“ auf Platz drei.
Ebenso zeigten die Erwachsenen ihre beeindruckenden Werke: Udo Grund gewann mit dem meisterhaft gearbeiteten „Schäfer“. Helmut Müller sicherte sich den zweiten Platz für sein Porträt „Queen Elisabeth“, während Thomas Meier mit „Familienglück“ den dritten Platz belegte. Einen Sonderpreis der Jury in der Kategorie Erwachsene / Einzelarbeit erhielt Sandra Müller-Göckeritz für „Ninatembea nikiwa salama – Ich gehe behütet“.
Die Gemeinschaftsarbeiten aller Altersgruppen verdeutlichten die verbindende Kraft des Handwerks. Den ersten Platz errang die Kinderschnitzgruppe EZV, Markersbach, für ihre kunstvollen „Hüte des Waldes“. Platz zwei ging an die Schülerinnen und Schüler der MAN-Schule, Zschopau, mit „Behütet unsere Heimat“. Die Schnitzgruppe Ebersbrunn belegte mit „Behütenswertes“ den dritten Platz.
Auch das Publikum wurde nach seinen Favoriten befragt und folgte den Platzierungen der Fachjury. Die „Hüte des Waldes“ der Kinderschnitzgruppe ZEV, Markersbach in der Sparte Kinder und Jugend sowie der „Schäfer“ von Udo Grund aus Bärenstein in der Sparte Erwachsenenarbeit wurden mit großem Abstand zu den diesjährigen Siegern des Publikums gekürt.

Ein weiterer emotionaler Höhepunkt war die Verleihung des „Goldenen Schnitzmessers“ an Peter Müller. Der Preisträger, seit 1952 Mitglied des Planitzer Schnitzvereins, ist eine prägende Persönlichkeit der erzgebirgischen Schnitzkunst – ein Meister des Handwerks, dessen Wirken weit über den Verein hinaus strahlt. Von 1962 bis 1991 und erneut von 1991 bis 2014 übernahm Müller als stellvertretender Vorsitzender Verantwortung für den Verein und engagierte sich über fünf Jahrzehnte hinweg unermüdlich im Vorstand.
Seine Stärke lag dabei nicht im Rampenlicht, sondern im Stillen. Gleichzeitig prägte er die Schnitzkultur insbesondere in Planitz nachhaltig. Seine Bergmänner sind weit über den Verein hinaus bekannt und schmücken in der Weihnachtszeit viele erzgebirgische Stuben, weil sie die klassische erzgebirgische Schnitzkunst in Perfektion widerspiegeln. Besonders beeindruckend ist sein Engagement bis heute: Neben den regulären Schnitzstunden hat Müller eine zusätzliche Gruppe für erwachsene Nachwuchsschnitzer aufgebaut. Mit Geduld, Erfahrung und selbstironischer Gelassenheit vermittelt er dort sein jahrzehntelang erworbenes Wissen und begeistert so immer neue Generationen von Schnitzern.
Das „Goldene Schnitzmesser 2026“ würdigt somit nicht nur herausragende Einzelwerke, sondern insbesondere Jahrzehnte des unermüdlichen Einsatzes für das Schnitzhandwerk und den Verein.
Jetzt steigt wieder die Vorfreude auf das nächste Jahr, wenn sich das Kulturzentrum Erzhammer erneut in eine Werkstatt voller Inspiration verwandelt und das neue Wettbewerbsthema „Höher-Schneller-Weiter – Sport im Erzgebirge“ die Kreativität der Schnitzerinnen und Schnitzer herausfordert. (MD)





