Sammler schätzen bemalte Teigware

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Mathias Grünzig stellt Traditionsfiguren her, deren markante Teile wie Gesicht aus Brotteig gefertigt werden. Die Unikate zeichenen sich durch aufwendige Bemalung aus. Foto: Christof Heyden

Brotteig bestimmt zur Weihnachtszeit den Berufsalltag von Mathias Grünzig. Die Masse ist für den Kunsthandwerker wichtiges Arbeitsmittel.

Kleinhartmannsdorf. Denn aus Sägemehl und Knochenleim werden Gesichter, Arme und Beine seiner einzigartigen Teigfiguren geformt. „Das ist mein Metier in kalter Jahreszeit, mich hat diese Technik unserer Vorfahren begeistert, ich will sie erhalten helfen“, so der Kleinhartmannsdorfer. Hat sich der gelernte Tischler seit rund zwei Jahrzehnten der Restauratorentätigkeit verschrieben, bildet das erzgebirgische Traditionshandwerk für ihn in Herbst- und Wintertagen ein Standbein. Und da setzt der geschickte Fachmann auf Klasse denn Masse. „Der Markt an kunsthandwerklichen Erzeugnissen ist etabliert, Neueinsteiger haben dann eine Chance, wenn sie Nischen besetzen und besondere Angebote unterbreiten“, so der 48-Jährige. Und die hat er in den Teigfiguren gefunden.

Der 48-Jährige rüstet für den Handwerkermarkt auf Schloss Wackerbarth. Foto: Christof Heyden

Erfreuten in zurückliegender Saison Eisenbahner, Postmann und Gentleman die Kunden, erobern 2017 die Türken das Erzgebirge. Mit Turban und Bärtchen bestückt, wird der markante Bursche stilvoll bemalt, zum Blickfang. Geradezu üppig bedresst wirkt der Harlekin als weitere Figur, die Freude weckt. „Dieser Typ fordert meine ganze Kraft, die aufwendige Bemalung ist nicht nur eine handwerkliche Herausforderung“, sagt Mathias Grünzig. Gerade der Harlekin zeige, wie er versuche, zwischen künstlerischem Anspruch und betriebswirtschaftlichem Nutzen zu agieren. Markant für die Handschrift Grünzigs: Die leicht geschwungenen Körper, die die Bewegung ausdrücken sollen und den dynamisch angeordneten Kerzentüllen. Kunden fasziniert ebenso die detailgetreue Ausstattung der Typen, die mit filigran gearbeiteten Accessoires, etwa die Pfeife, begeistern.

Gesicht, Arme und Beine, alles in Handarbeit gefertigt und immer ein Unikat. Foto: Christof Heyden

Die Erzeugnisse von Mathias Grünzig haben dabei durchaus eine finanzkräftigere Zielgruppe im Blick. „Ich schaffe alles durchweg in Handarbeit, Automaten sind nicht im Einsatz. Die Stückzahlen bleiben begrenzt. Umfasst eine Serie zehn Figuren, ist dennoch jede ein Unikat. So wird jedes Gesicht aus dem Brotteig individuell geformt.“ Übrigens: Jede Figur erhält ihre maßgefertigte Kiste zum Verpacken. Gestaltet und vermarktet der Mittelsachse seine Teigfiguren, deren Körper in der Regel aus Fichte oder Linde bestehen, über die geschäftlichen Kundenkontakte, geht er an Weihnachtstagen auch auf Reisen.