Arzgebirgisch is aane Weltsproch

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Karl-Heinz Melzer gilt über Mauersberger Ortsgrenzen hinaus als anerkannter Chronist und Autor. Foto: Christof Heyden

Karl-Heinz Melzer versteht sich auf den Zungenschlag der Einheimischen. Mundartliches aus seiner Feder wird gern gelesen, gesprochen und auch aufgeführt.

Mauersberg. „Arzgebirgisch is eigentlich aane Weltsproch un desdrwagn schwer ze lerne. Manichsmol härt sich dos aber ah wie chinesisch ah“, sagt lachend der Fachmann. Und doch wissen Blasorchester, Heimartgruppe oder Schauspielensemble  seine die Lebensart der Einheimischen abbildenden Werke aufzuspielen. Der Mauersberger gehört zu den Autoren, die sich um den hiesigen Dialekt verdient machen. Vor allem die um Lebensweise und Sprache bemühten Buchveröffentlichungen haben eine breite Anhängerschar gefunden.

Dafür schaut und hört der agile 79-Jährige den Mitbürgern regelmäßig auf Mund. Die Ergebnisse dieser akustischen Basisarbeit sind das Futter für mehrere Bändchen mit Geschichten und Schnorren, vor allem solchen Geschehnissen, wie sie sich in der Hutzenstube aber auch vor der heimischen Haustür zugetragen haben. Seit der Jugend schon sammelt Karl-Heinz Melzer Erlebnisberichte und Zeitdokumente, die ihn vor allem als Ortschronist von Mauersberg interessieren.

Dieses Modell der Winterlandschaft Mauersberg findet sich im Heimatmuseum. Foto: Christof Heyden

Doch künstlerisch begabt und von Kindesbeinen an mit der Musik im Bunde, haben es ihm auch die Originale der Region, Spitznamen, Spottverse sowie der Humor der Einheimischen angetan. „Dabei widme ich mich erst mit dem Eintritt in den Vorruhestand dieser Schreib-Leidenschaft“, sagt der frühere in Annaberg-Buchholz tätige Kartonagenmacher.

Sein erstes, 2009 veröffentlichtes Buch über denkwürdige Kriminalfälle aus sechs Jahrhunderten aus der Region, findet erstaunliche Resonanz. Die Geschichten über Räuber, Pascher und Wilddiebe im Erzgebirge unterhalten die Leser, überregional werden Medien samt dem Fernsehen auf dieses Thema aufmerksam. In nachfolgenden Arbeiten rückt er vor allem die Sprache in den Blickpunkt. Besonders die Kurzgeschichten finden Gefallen, regelmäßig wird Karl-Heinz Melzer nun eingeladen, aus seinen Büchlein in Familien- und Vereinsrunden daraus vorzutragen. Als literarischer Reisekader ist der Mauersberger vielerorts unterwegs.

Längst sitzt Karl-Heinz Melzer wieder fleißig im heimischen Studierstübchen. „Ich bin in der Endredaktion eines neuen Buches mit Arbeitstitel „Durch das ganze Jahr“. Darin zeige ich erzgebirgisches Brauchtum und Handwerksberufe, von denen so mancher schon nicht mehr ausgebildet wird.“