Vorsicht an der Bahnsteigkante, Türen schließen und gute Reise- weihnachtlicher Hochbetrieb im Reiseverkehr herrscht alle Jahre wieder im Bahnhofsgelände Geyer. Die Miniaturschau erwärmt zur Adventszeit regelmäßig Besucherherzen.
Geyer. Das geschäftige Eisenbahngeschehen im Miniaturformat wird Schaulustige aller Generationen am vierten Adventswochenende anlocken. Die Szenerie der erzgebirgischen Modelllandschaft lockt Eisenbahnfans, Heimatfreunde und unternehmungshungrige Gäste in den empfangsbereiten Lokschuppen. „Im Zuge des städtischen Weihnachtsmarktes öffnen wir am 20. und 21. Dezember jeweils von 13 bis 19 Uhr die Tore zu unserem Vereinsdomizil, zudem freuen wir uns auch zum Jahresausklang am 28. Dezember auf Besucher“, lädt Matthias Looß zu einer Stippvisite ein.
Der Vorsitzende des Modellbahnclubs hat mit zwei Dutzend Mitgliedern nicht nur die imposante Modellbahnanlage präpariert. „Wir präsentieren verschiedene Dioramen zum Eisenbahngeschehen, bauen eine Gartenbahnanlage für Kinder auf.“ Vom Mitropa-Versorgungsgedanken inspiriert, laden die Modellbauer zum zünftigen Verweilen mit lokalen Spezialitäten ein. „Wir servieren Wiegebraten und Soljanka, bieten Kaffee und höherprozentige Wässerchen an.“

Im Blickpunkt der Aktionstage steht die beeindruckende Modellbahnanlage, deren Pflege und Ausbau die Erzgebirger im Hobby zusammenbringt. „Sie trägt die Handschrift von Generationen an Modellbauern, unsere Gruppe besteht im 59. Jahr“, kennt Matthias Looß den Werdegang. „Seit Mitte der 90er Jahre ist der frühere Lokschuppen unser Treff, 1998 haben wir hier die erste Ausstellung organisiert.“
Inspiriert ist die Vereinsanlage von der in Modellbahnkreisen gepflegten Systematik mit den Bahnepochen III und IV. „Erstere umfasst in Deutschland den Zeitraum von 1949 bis 1970. Der Werdegang kennt etwa nur noch zwei Wagenklassen. Die damalige Holzklasse wurde zur 2. Klasse befördert. Die damalige Polsterklasse wurde zur neuen 1. Klasse zusammengefasst.“, so der Fachmann. „Die Epoche IV kennt etwa die den Fernverkehr prägenden Städte- und InterCity-Züge im Farbschema rot/beige. Und während im Westen die letzten Dampfloks aus dem Regelbetrieb genommen werden, schnaufen diese in der DDR noch bis 1988. Diese Entwicklungsabschnitte bringen wir mit Fahrzeugen und Kulissen aufs Brett.“

Das unterdessen digitalisierte Verkehrsgeschehen basiert auf 105 Weichen, lässt auf der zweigleisigen Hauptstrecke mit Nebenbahnen und einer Schmalspurkulisse in den Spuren H0 und H0e den gleichzeitigen Fahrbetrieb von 20 Zügen zu. In die Mittelgebirgslandschaft sind Bahnbetriebswerk mit Rundhaus und Viadukte integriert. Das pulsierende Leben speist sich auch aus Schattenbahnhöfen unterhalb der Verkehrsfläche, wo die Züge als Güter-, Personen oder Schnellzug zusammengestellt werden. „Wir bilden das Bahnhofsgelände Geyer vor der Kulisse von Wolkenstein ab“, beschreibt Ronald Klitzsch die Szenerie.
Der frühere Glasermeister und Berufskraftfahrer hat längst sein Faible für Modellbahnen entdeckt. „Der harte Kern unserer Truppe trifft sich immer donnerstags. Stellmacher, Fensterbauer, Elektriker und Angestellte vereint die Leidenschaft. Größter Wunsch indes: wir würden uns über neue Mitglieder, insbesondere junge Leute freuen, laden zum Schnupperbesuch ein.“ Mit dem 91-jährigen Gottfried Kreher ist einer der dienstältesten Vereinsfreunde zuverlässiger Bastelfreund. „Waren die Gründer des Vereins einst selbst Eisenbahner, kommen heute vor allem Eisenbahnenthusiasten zusammen“, fügt der Maschinenbauingenieur Matthias Loos hinzu.

Hinter dessen Gruppe liegen schweißtreibende Tage. „Wir haben die im Bahnhofsgelände abgestellte Schmalspurlok der Reihe IV K 99 534 aufgearbeitet“, erklärt Ronald Klitzsch. „Rund 500 Stunden haben wir in unserer Freizeit für dieses technische Zeitzeugnis hineininvestiert. Unser Schmuckstück rollte früher auf dem hiesigen Schmalspurnetz. Für rund 800 Euro wurde frische Farbe aufgetragen, vom Zahn der Zeit abgenagte Schadstellen aufgehübscht. Zum Adventsfest dürfen Besucher wieder in unseren ebenso betagten Waggons Platz nehmen, die Hutzenabende an Bord sind längst kein Geheimtipp mehr.“ Im kommenden jahr wollen die Modellbauer daran erinnern, dass die Dampflok im Mai 1976 vor 50 Jahren hier ihren letzten Stellplatz erhalten hat. (hy)





