Zum Festspiel gibt es Prügel

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Jetzt gibt es Schläge! Regisseur Gerd Schlott (r.) zeigt den Hobbyschauspielern, wie eine zünftige Kampfszene glaubhaft gespielt werden muss. Foto: Christof Heyden

Der Markt in Marienberg wird zur Erlebnisbühne. Dabei wird auch handfest vom Leben aus zurückliegenden Zeiten berichtet.

Marienberg. Testosterongeschwängerter Augenblick. Den Mannsbildern schwillt, vis-a-vis im Kneipendunst sitzend, der Kamm. Die Kampfhähne haben dem Trunk längst kräftig zugesprochen. Dem verbalen Scharmützel droht die Handgreiflichkeit, nur ein Explosionsfunke, und die Burschen geraten krachend aneinander.
Und das Zündsignal kommt: „Ich würde jetzt mal die Prügelei machen“. Das Kommando von Gerd Schlott bittet fordernd zur Aktion. Es gibt für die Kontrahenten kein Halten. Der Böhmische Bergmann und sein deutscher Zunftbruder setzen zu Schlägen an. Die beiden Akteure spielen die Szene einfach drauf los.

„Stopp, stopp, so können wir nicht agieren“, geht der Regisseur als Kampfrichter dazwischen. Timo Wendt und Thomas Böttcher lassen voneinander ab. Denn: Auch in dieser Szene ist schauspielerisches Handwerk gefragt, keine Klopperei wie im Alltag. Den beiden wird klar: Einen Betrunkenen zu spielen, ist gar nicht so einfach. „Vor allem gilt es ganz deutlich zu sprechen, nicht zu nuscheln, ihr müsst eher überartikulieren“, korrigiert der Annaberger Theaterfachmann die beiden Hobbyschauspieler. „Und: Nicht zugleich darauf losreden. Auf der Bühne wird immer nacheinander geredet, damit das Publikum den Text versteht“, bittet Regisseur Schlott zu neuerlichen Aktion.

Timo Wendt und Thomas Böttcher gehen sich an den Kragen. Foto: Christof Heyden

Und die fordert schnell ein weiteres Korrigieren. Selbst die Faustschläge müssen mit Bedacht gesetzt werden, um einen logischen Handlungsablauf zu erhalten. Wo landet der vermeintliche Treffer? Wie dreht der Akteur daraufhin seinen Kopf weg, wie geht der Schläger zurück, wann fällt der Getroffene zu Boden. Fragen über Fragen, die es zu dieser Schauspielprobe auszutüfteln gilt. Beobachter staunen, welch Akribie allein in wenigen Szenen steckt, damit diese ihre Wirkung erzielen. Dabei mutet die Situation ohnehin viel Fantasie an. Statt in verruchter Bergmannskaschemme stehen die Zeitgeister auf der grünen Wiese der Baldauf-Villa. Trockentraining für das Spektakel.

Und das steigt zum Stadtfest am Sonnabend, den 18. August. Dann stehen Marienberger Geschichten im Blickpunkt, die von Bürgern aus Marienberg, ja aus Sachsen und Böhmen erzählt werden. Laut Veranstaltern handelt es sich um historische Episoden, geschichtlich belegte Ereignisse, die das Leben der Menschen in der Bergstadt in der Mitte des 18. Jahrhunderts entscheidend prägten: So das erneute Berggeschrey 1767, die  Teuerung und Hungersnot 1771-1773 oder der Besuch des Kurfürsten Friedrich August III. 1773.

Ab 16. 00 Uhr beginnt der Aktionstag mit dem Historischen Markttreiben, es spielen urige Musikanten aus Sachsen und Böhmen auf. 19.30 Uhr geht die Theateraufführung „Marienberger Geschichten“ in Textfassung nach historischen Quellen von Gerd Schlott über den Marktplatz.