Mit Rieu auf dem Canape

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Gestatten, ich will auch einmal zupfen. Hans Roscher mit seinem Kapellmeister André Rieu. Fast ein dreiviertel Jahr hat er an dem Lindenholz-Modell geschnitzt. Erfolgreich. Der 1. Platz beim 26. Schnitzwettbewerb gehört ihm. Foto: Christof Heyden

Der Walzerkönig der Moderne, auf vielen Bühnen der Welt zu Hause, spielt nun auch im heimischen Wohnzimmer eines Erzgebirgers auf.

Geyer. Der Musikus versteht seine hölzerne Geige zu streicheln: André Rieu. Der Kapellmeister indes liegt als Holzkunstwerk dem Schnitzer Hans Roscher in den Händen. Er hat einen filigranen Holzklotz geschaffen, der personalisierte musikalische Geschmeidigkeit verkörpert: Den Walzerkönig der Moderne, mit seiner Violine tänzelnd. Ein großer seines Fachs, in 55 Zentimetern Lindenholz verewigt. Mit dieser Arbeit  sicherte sich der 64-Jährige den ersten Preis der jüngst zu Ende gegangenen 26. Schnitzertage des Erzgebirges.

Hauskonzert bei Roschers. Der Kapellmeister spielt auf. Foto: Christof Heyden

Der prestigeträchtige Wettbewerb stand 2018 im Zeichen der Musik. „Ich zeige, dass es mehr als Bergmann und Engel zu schnitzen gibt“, sagt der in Geyer lebende Schnitzer. Dem bescheinigte die renommierte Fachjury eine saubere und detailreiche Ausführung, würdigte die gelungenen Gesichtszüge und das raffiniert gearbeitete Instrument. Selbst vier haardünne Saiten, die per Wirbel festzuziehen sind, trägt der Maestro in der Hand.
„Im September 2017 habe ich mit Papierskizzen begonnen, im Februar, wenige Tage vor dem Wettbewerb, war mein eigener André Rieu fertig bemalt“, sagt Hans Roscher, der dem hiesigen Krippen- und Schnitzverein seit 1984 die Treue hält.

Dem Schnitzen gingen verschiedene Skizzen auf Papier voraus. Foto: Christof Heyden

Den Rieu wollte er als sein Fan schon immer Mal unters Schnitzmesser nehmen. „Ich mag seine Musik, die bringt gute Stimmung. Allerdings, so verrückt, ihm zu den Konzerten hinterherzufahren, bin ich nicht.“ In ungezählten Stunden hat er sein Modell aus zwei Holzhälften gearbeitet und diese zusammengefügt.

Den heimischen Keller ist längst in eine Schnitzstube umfunktioniert. Hier entsteht derzeit das nächste Kunstwerk. Ein Licht tragender Türke. Bleibt abzuwarten, ob er sich Hans Roscher damit am kommenden Schnitzwettbewerb 2019 zum Thema Märchenhaftes beteiligt.

Der Fachmann ist für seine Porträtschnitzerei anerkannt. Foto: Christof Heyden

Unter Kennern ist der frühere Hausmeister einer Wohnungsgenossenschaft längst für seine begnadeten Hände bekannt. Mit seinen Porträtschnitzereien hat er wiederholt Erfolge bei Wettbewerben eingeheimst.
Sein handwerkliches Rüstzeug hat sich Hans Roscher bei Lehrgängen an der Schnitzschule Annaberg-Buchholz 1986 geholt. Egon Rehm gehörte zu seinen Lehrern. Der Krippen- und schnitzverein Geyer, der 2019 sein 120-jähriges Bestehen feiern wird, ist die Heimstätte des geschickten Akteurs.