Oberwiesenthal. Die Feuerbüchse der Dampfrösser der beliebten Schmalspurattraktion werden vom 2. bis 20. November kalt bleiben. „Durch umfangreiche turnusgemäße Instandhaltungsarbeiten an Strecke, Gleisanlagen und Fahrmaterial werden keine Züge verkehren. Neben Arbeiten an der Strecke und den Gleisanlagen wird die Zeit insbesondere für umfangreiche Arbeiten in der Lokwerkstatt genutzt“, informiert Kati Schmidt, Mitarbeiterin Marketing/ Presse des Unternehmens. Die betriebsfreie Zeit nutzen die Mitarbeiter für Schulungen und Ausbildungen.
Ein Schwerpunkt der Arbeiten liegt auf der Strecke zwischen Cranzahl und Kurort Oberwiesenthal. Im Bahnhof Kretscham-Rothensehma wird eine Weiche ersetzt. Zwischen Neudorf und Kretscham-Rothensehma sind außerdem Gleisbauarbeiten mit dem Austausch verschlissener Schwellen vorgesehen.
Auch in der Lokwerkstatt wird die Sperrpause intensiv genutzt. Gleich drei Dampflokomotiven der SDG befinden sich derzeit in Oberwiesenthal zur Hauptuntersuchung. Die Lokomotive 99 771 ist bereits im Zusammenbau, während an 99 713 die Arbeiten noch in vollem Gange sind. Die Lokomotive 99 779 wird derzeit für die Untersuchung vollständig zerlegt.
Darüber hinaus erhält die Lokomotive 99 785 eine Zwischenuntersuchung. An der Gastlokomotive 99 4644 der Prignitzer Kleinbahn wird ebenfalls eine Hauptuntersuchung durchgeführt. Im Rahmen dieser Arbeiten übernimmt die Lokwerkstatt Oberwiesenthal die Aufarbeitung des Kessels.

Wissenswertes rund um die Dampflok-Instandhaltung
Spätestens nach acht Jahren muss eine Dampflokomotive zur Hauptuntersuchung. Dafür wird sie vollständig in ihre Einzelteile zerlegt. Kessel, Fahrwerk und Rahmen werden gründlich untersucht und alle Befunde dokumentiert. Anschließend werden notwendige Reparaturen und Erneuerungen festgelegt und ausgeführt. Nach dem Zusammenbau folgen verschiedene Druckprüfungen, die Einstellung der Sicherheitsventile sowie eine Lastprobefahrt und eine Abnahmefahrt. Erst wenn alle Prüfungen erfolgreich abgeschlossen und die Unterlagen von der Aufsichtsbehörde geprüft wurden, darf die Lokomotive wieder in den Betrieb gehen.
Zwischenuntersuchung
Die Zwischenuntersuchung findet spätestens vier Jahre nach der Hauptuntersuchung statt. Dabei werden ebenfalls Kessel und Fahrwerk untersucht. Allerdings werden nicht alle Bauteile zerlegt, sondern vor allem diejenigen ausgebaut und bearbeitet, bei denen ein entsprechender Bedarf festgestellt wird. Je nach Zustand der Lokomotive kann auch diese Untersuchung umfangreiche Arbeiten erfordern.
Plantag und Kesselauswaschen
Während des laufenden Betriebs werden notwendige Arbeiten an einer Dampflok über mehrere Wochen gesammelt. An einem sogenannten Plantag werden diese Arbeiten gebündelt erledigt. Besonders wichtig ist dabei das Auswaschen des Kessels: Durch die hohen Temperaturen lagern sich Rückstände aus dem Kesselwasser an den Innenflächen ab. Sie verschlechtern die Wärmeübertragung vom Feuer auf das Kesselwasser und können den Kohleverbrauch erhöhen. Außerdem wird das Kesselmaterial stärker thermisch belastet. Deshalb werden bei den SDG-Dampflokomotiven die Kessel etwa alle 30 bis 40 Tage gründlich mit Wasser ausgespült. (PM)



