Premieren und Traditionen prägten das Bürstenfest, welches am ersten September-Wochenende rund 4000 Besucher nach Schönheide und Stützengrün lockte. Die bereits 27. Auflage verband Orte, Betriebe, Bahnhöfe und Menschen miteinander.
Schönheide/Stützengrün. Erstmals mit eigenem Werksverkauf beteiligte sich die Bümag-Genossenschaft. Ihren Verkaufsstand hatten die Schönheider Bürstenmacher beim samstägigen Feuerwehrfest. Besen für Steinpflaster sowie Kinder-Lernlaufhilfen mit Putzutensilien waren die hochwertigsten Artikel. „Das gibt es nicht überall zu kaufen“, unterstrich Geschäftsführer Stev Schumann. Unabhängig davon werde die Bümag in ihrem 80. Jubiläumsjahr im Herbst ihren Werksshop im Firmengelände eröffnen und dorthin im Dezember zum lebendigen Adventskalender einladen. Im benachbarten Modell-Shop der Firma Busch freute man sich schon am Samstag über einen gut besuchten Sonderverkauf.

Schumann ergänzt: „Wir wollen auch zukünftig die Brücke zwischen Feuerwehr- und Bürstenfest schlagen, denn es war eine gelungene Sache!“ Beim 165. Geburtstag der Schönheider Blauröcke selbst erlebte die Gruppe „jam buzz“ zudem ihre mehrstündige Premiere in einem Feuerwehrgerätehaus. „Ein cooles Event“, so Benjamim Mädler, als einer von sechs jungen einheimischen Musikern, die bis nach Mitternacht Pop-, Rock- und Partymusik auf die Bühne brachten.
Ihre große Bühne hatte Sams- und Sonntag die erste, längste und steilste Schmalspurbahn Sachsens – die einst von Wilkau bis Carlsfeld führte – gleich nebenan am Schönheider Lokschuppen. „Unser Bahnhof Mitte war beide Tage gut besucht“, so Zugführer Michael Kapplick. Historische wie moderne Bürsten, Besen und Pinsel begeisterten. Die Züge der heutigen Museumsbahn nach Stützengrün und zurück waren meist voll besetzt. „Solch eine nostalgische Schienentour ist immer ein Erlebnis“, gestand Passagier Uwe Landgraf aus Kirchberg, „schön, dass einige stillgelegte Bahnabschnitte nun zumindest als Radweg genutzt werden!“

Per Drahtesel unterwegs war Elfie Hermann. Sie nutzte den erstmals angebotenen QR-Code für die Bürstenfest-Radtour. Die Schönheiderin: „Wir radeln selbstverständlich all die sieben verknüpften Stationen ab!“. Und Roberto Müller nutzte mit niederbayerischen Freunden das ebenso neue Kombiticket. „Da kommt man bequem mit Bahn und Bus rundum“, anerkannte der Stützengrüner.
Denn der „Bürsten-Express“ chauffierte im Pendelverkehr eigens Bus-Passagiere. Diese Premiere ermöglichte Jörg Meichsner. „Früher transportierten wir mit unseren Lastern auch Holz und Fertigwaren zu den Bürstenfabriken“, so der Chef vom gleichnamigen Reisebüro.
Per Oldtimer unterwegs waren Sonntag über 200 Piloten von Schönheide über Stützengrün durchs Zwickauer und Vogt-Land. Ältestes Modell: Ein restauriertes Hanomag-Cabriolet mit Baujahr 1928 von Lothar Opp aus Schönheide. Start- und Zielpunkt war das das dortige Bürstenmuseum, für das es – dank Kombiticket – freien Eintritt gab. „Unsere Besucher brachten diesmal ausgesprochen fachkundige Fragen mit“, würdigte Museumschef Andreas Schubert.

Ähnlich erging es Lorita Härtel in Schönheiderhammer, wo der Förderverein Historische Westsächsische Eisenbahnen in sein saniertes Empfangsgebäude von Schönheide Ost einlud. Die engagierte Vereinsmitstreiterin: „Die Gäste kamen bis aus Berlin, Zittau oder sogar Stuttgart und brachten viele Erinnerungen mit.“
Bei Bürstenmann in Stützengrün lief beide Tage das vielfältigste Programm. Erstmals war der „Wasserturm“ im 30 Meter hohen Backsteingebäude öffentlich zugänglich. Täglich zehnmal stiefelte Marcel Werner die 127 Stufen zur obersten Etage des 101jährigen Backsteinbaus auf und ab. „Es gab keine Pause“, so der Prokurist der gastgebenden Firma, „und der Ausblick war grandios!“ Brauchwasser wurde bis 1995 aus drei Brunnen in ein 60 000-Liter-Bassein nach oben gepumpt und „fiel“ von dort über Leitungen in alle Abteilungen des großen GEG-Fabrikgeländes.

Sams- und Sonntag war es gestaltet als Bürstenmarkt mit Werksverkauf, Vereinsshop und Kuchenbasar zugunsten vom Leipziger AWO-Wünschewagen und Tierheim Bockau. Freiluft-Mundartmusik steuerten „Dr Bürschtenmah & sei Maadel“, alias Eberhard und Tabita Mädler, bei.
Im geöffneten Betrieb wurden Stanzautomaten und Handeinzug vorgeführt. In der erweiterten Ausstellung beantworte Betriebschronist Heiko Neumann täglich sieben Stunden am Stück die Fragen von Gästen bis aus Tschechien und Spanien. „Dort werden wir die Bürsten aus dem Erzgebirge gegen den vielen Staub aus der Sahara-Wüste, der bei uns in Malaga niedergeht, einsetzen“, versprach Hans-Georg Rall, der die weiteste Anreise hatte.

„Solch ereignisreiche Tage lassen sich nur in Gemeinsamkeit von vielen motivierten Mitstreitern bewältigen“, würdigt Stützengrüns Bürgermeister Volkmar Viehweg alle Unternehmen, Vereine und Akteure, die zum Fest aktiv war. Als Vorsitzender des Vereins Deutsche Bürstenregion fügt er hinzu: „Das ist eine solide Basis für 2027!“





