Von Mailand ins Erzgebirge: Serena Zanaboni übernimmt Leitung der städtischen Museen

Mailand, Paris, Frankfurt, Weimar – und nun Annaberg-Buchholz: Seit dem 1. August 2026 leitet Dr. des. Serena Zanaboni die städtischen Museen der Großen Kreisstadt Annaberg-Buchholz.

Annaberg-Buchholz. Dabei bringt die neue Museumsleiterin nicht nur einen internationalen Lebenslauf, sondern vor allem eine große Leidenschaft für Museen, Sammlungen und die Geschichten hinter den Dingen mit. Zanaboni studierte Kunstgeschichte und Literatur in Mailand sowie Kunstgeschichte und Curatorial Studies an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Ihre Promotion in Kulturwissenschaft schloss sie Anfang 2026 an der Technischen Universität Berlin ab.

Zu ihren beruflichen Stationen und Projekten zählen unter anderem die Klassik Stiftung Weimar, das Deutsche Optische Museum Jena, der Palazzo Reale in Mailand sowie das Musée national des châteaux de Malmaison et Bois-Préau bei Paris. Ihre Schwerpunkte reichen von Kuratierung und Ausstellungskonzeption über Provenienz- und Archivforschung bis hin zu internationaler Zusammenarbeit und Kulturvermittlung.

Dass ihr Weg schließlich nach Annaberg-Buchholz führte, war dabei keineswegs Zufall. Nach Abschluss ihrer Dissertation entdeckte Zanaboni die Stellenausschreibung der Stadt und war sofort elektrisiert. „Mein erster Gedanke war tatsächlich: ,Oh mein Gott, ich will diese Stelle!‘“, erzählt sie lachend. „Fast alles, womit ich mich in meinem bisherigen Berufsleben beschäftigt habe und wofür ich Leidenschaft empfinde, fand sich darin wieder. Ich hatte sofort dieses Bauchgefühl: Diese Stelle ist wie gemacht für mich.“

Mit dem Erzgebirgsmuseum und Besucherbergwerk „Im Gößner“, der Manufaktur der Träume sowie dem Frohnauer Hammer übernimmt Zanaboni drei Häuser, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und die für sie dennoch eng zusammengehören. Ihre spontane Beschreibung dafür ist ebenso ungewöhnlich wie treffend: Sie betrachtet die drei Museen als Teile eines Organismus. Gerade das Besucherbergwerk „Im Gößner“ hat es Serena Zanaboni bereits besonders angetan. Fünfmal war sie inzwischen unter Tage – und jedes Mal aufs Neue beeindruckt. „So etwas hatte ich in dieser Form vorher noch nicht erlebt. Es ist ein echtes Erlebnis, weil man einen sehr direkten Blick in die Vergangenheit bekommt und sich vorstellen kann, wie die Menschen damals gearbeitet und gelebt haben.“

Serena Zanaboni ist die neue Museumschefin in Annaberg-Buchholz. Foto: SV / Annett Flämig

Im Erzgebirgsmuseum wiederum beeindruckte Zanaboni insbesondere die außergewöhnlich hohe Qualität der Exponate. Für eine Kunsthistorikerin und Provenienzforscherin, die sich seit vielen Jahren intensiv mit Sammlungen und den Geschichten hinter einzelnen Objekten beschäftigt, eröffnet sich damit ein ebenso spannendes wie vielfältiges Forschungsfeld.
Was Serena Zanaboni darüber hinaus bereits nach wenigen Wochen in Annaberg-Buchholz besonders berührt, ist die enge Verbindung der Menschen zu ihrer eigenen Geschichte und Kultur.
Die 39-jährige, gebürtige Italienerin interessiert nicht allein, was ein Museumsobjekt ist, sondern ebenso, woher es kommt, wem es gehörte, welche Wege es zurückgelegt hat und welche Menschen mit ihm verbunden waren.

Auch für die Annaberg-Buchholzer Sammlungen sieht Zanaboni hier großes Potenzial. Sie will jedoch bewusst nichts überstürzen. Zunächst gehe es darum, die Bestände, Häuser, Strukturen und Mitarbeitenden intensiv kennenzulernen. Perspektivisch möchte sie auch die Provenienzforschung weiter stärken und die Sammlungsgeschichte noch tiefer erschließen.

Bei aller wissenschaftlichen Tiefe hat Zanaboni eine klare Vorstellung davon, was ein Museum heute leisten muss: Es soll nicht nur bewahren, sondern berühren. (PM)

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