Antlitz des Friedens als Beitrag zum Jahr jüdischer Kultur

Die Stadt Annaberg-Buchholz würdigt mit einer Sonderausstellung das Schaffen von Carlfriedrich Claus. Unter dem Titel Hebräische Sprache und jüdische Kultur in seinem Werk wird diese am Samstag, 5. September, 16 Uhr, im Studienraum Carlfriedrich Claus, Johannisgasse 10, eröffnet.

Annaberg-Buchholz. Diese Ausstellung ist ein Projekt des Fördervereins Carlfriedrich Claus – Lebens- und Arbeitsort in Annaberg-Buchholz e.V. und Eine Art Fabrik im Rahmen von „Tacheles 2926 – Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026“. Die Ausstellung vom 06.09.2026 bis 01.09.2028 zu sehen.

Wichtiger Künstler seiner Generation
Der 1930 in der Bergstadt geborene Carlfriedrich Claus gilt als Solitär in der europäischen Kunstlandschaft der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und zählt zu den wichtigsten Künstlern seiner Generation und seines Wirkungskreises. Neben seinen Lautexperimenten und poetologischen Texten ist er vor allem für seine Sprachblätter bekannt.

Claus verbrachte als Kind mit seinen Eltern die Jahre der nationalsozialistischen Diktatur im inneren Exil und schon in dieser Zeit begann sein Interesse für die hebräische Sprache und jüdische Kultur. Durchaus ein Akt des Widerstands, ging diese Beschäftigung aber weit über eine flüchtige Lektüre hinaus.

Auf Basis seiner intensiven Auseinandersetzung mit der jüdischen Philosophie integrierte Claus in viele seiner Arbeiten von Beginn an bis ins Spätwerk Zeichen der hebräischen Quadratschrift ebenso wie Überlieferungen der jüdischen Mystik. Von diesen historisch-kulturellen Zeichen und Erzählungen bezog er Inspiration für eigene Exerzitien zur Welt- und Selbsterkenntnis.
1997 verfasste der Autor und Herausgeber Gerhard Wolf – ab 1971 mit Carlfriedrich Claus freundschaftlich verbunden –  eine Projekt-Skizze mit dem Titel „Chidr – der ewig Grünende. Hebräische Sprache und jüdische Kultur im Leben von Carlfriedrich Claus“. Wolfs Konzept einer solchen Ausstellung und Publikation konnte zu Lebzeiten beider nicht mehr realisiert werden. Claus verstarb 1998 in Chemnitz.

Die Ausstellung Antlitz des Friedens. Hebräische Sprache und jüdische Kultur im Werk von Carlfriedrich Claus greift die Idee und den Impuls von Gerhard Wolf auf, um diesen bislang wenig beleuchteten Aspekt in Claus’ Werk in den Fokus zu rücken. Ausgewählte Werke werden in Beziehung zueinander gesetzt, durch kurze Kommentierungen sollen Bezüge hergestellt und Hintergründe vermittelt werden.
Die Integration jüdischer Aspekte in sein Werk diente Claus vor allem den Anliegen, in deren Dienst er sein ganzes Leben und Schaffen stellte: Im Gespräch mit sich und dem Anderen zu sein, Kommunikation als Verständigung zu praktizieren, sich dafür einzusetzen, Konflikte ohne Aggression und Gewalt zu lösen, und der Hoffnung auf Frieden ein Gesicht und eine Stimme zu geben. Dies alles erscheint heute aktueller denn je. (PM)

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