Witzschdorf. Das waren noch Fahrerlebnisse: da rumpelt 1963 die Linie7 auf der Strecke Furth und Glösa über die Gleise, zuckelt ein Drei-Wagen-Zug der Line 5 an drei hölzernen Abfertigungshäuschen vorbei, die jeweils getrennt einst die drei Ticketkategorien in Chemnitz verkauften. Den städtischen Nahverkehr in Karl-Marx-Stadt aber auch anderen Städten der DDR hat ein lesenswertes Buch aus dem Bildverlag Thomas Böttger Witzschdorf zum Inhalt.
Eintauchen in drei Jahrzehnte Verkehrsgeschichte des Ostens werden auf 480 reich bebilderten Seiten ermöglicht. Was waren Tatra-Züge, was zeichnete einen Normalspurzug der Straßenbahnen aus und wer war der Gothaer? Diese Fakten und viele Begebenheiten rund um den ÖPNV rückt Autor Andreas Riedel kurzweilig in den Fokus. Wesentlicher Beitrag sind die Schnappschüsse von Peter Dönges, die seit vielen Jahren fester Bestandteil einschlägiger Publikationen sind.
„Noch nie aber ist bisher eine derart repräsentative Auswahl von Bildern in einer Publikation über ein Vierteljahrhundert zusammengestellt worden“, konstatiert Thomas Böttger. „Damit bietet sich ein nahezu lückenloses Alltagsbild des Städtischen Nahverkehrs in der DDR, welches in einer Zeitspanne von etwa 1952 bis 1981 gezeichnet wird.“

Verlag und Autor haben keine Mühe gescheut, selbst scheinbar vergessene Episoden aufzuhellen, sind sich aber durchaus im Klaren, dass die ausgewählten Motive beispielhaft für eine Vielzahl weiterer, welche nicht berücksichtigt werden konnten, stehen. „Die Zusammenstellung bietet die Möglichkeit, den DDR-Alltag so detailliert und unverstellt zu erleben, wie er nur selten in der Literatur dargestellt wird. Um eine gewisse Übersicht zu behalten, sind die Kapitel in ihrer Abhandlung nach Städten und Bundesländern sortiert“, so der Verleger.
Dieses Buch, jetzt in zweiter überarbeitet Neuauflage vorgelegt, ist eine Fundgrube für all jene, die sich für verkehrsgeschichtliche Themen interessieren und ein Muss für jeden Nahverkehrsfan. (red.)





