Was mor net in dor Hand hot, ka mor net halten  

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Mundartautor Gerd Paschen und seine Frau Irmi auf der Datsche bei Schneeberg. Foto: Christof Heyden

Seit Jahren zählt Gerd Paschen zu den geschätzten Mundartautoren des Erzgebirges. Unterdessen am Fuße der Alpen beheimatet, hält der promovierte Gartenbauingenieur aus Wilkau-Haßlau seinem Heimatdialekt unbeirrt die sprachliche Treue. Wir veröffentlichen in loser Folge einiger seiner Prosa- und Lyrikwerke.

Geschichte 2:
Was mor net in dor Hand hot, ka mor net halten

Als Schulabgänger nooch dor achten Klass hob ich Gärtner gelernt. Und de beste Lehrstell for dan Beruf war de Klinikgärtnerei Gärtnerei vun Heinrich – Braun – Krankenhaus in Zwicke. Denn do warst de als Lehrgung wirklich Lehrling und net blus billiger Hilfsarbeiter wie an manch annerer Stell. Außerdem hatten mir nabn Gewächshaisern und Frühbeetkästen für Blume und Zierpflanzen aah ene Feldgemüse – und Obstproduktion und mit dene Parkanlagen im Krankenhausgelände hast de aah was von dor Garten – und Landschaftsgestaltung und Pflege mitgricht. Und mit es spannenste war for uns gunge Kerle anfangs dor landwirtschaftliche Teil. Denn mir hatten aah an de 60 Schweine, die mit Küchenabfällen und Assensrestn von dene Krankenstatione fett gefüttert wurdn sei. Und 4 Pfar zur zur Bodenbearbeitung. vor allem aber for Transportzwecke hatten mir aah noch. Denn mir hatten nabn ne Zamfahrn vom Schweinefutter aah die Aufgab, die Krankenhausabfälle von de Statione in de betriebseigene Verbrennung zu fahrn. Und do warn mir Lehrbubn aah mannichmol dorfür mit eigetaalt.

Irgend wann war aah iech mol an dor Reihe und bi mit unnern Oberkutscher Kraus Kurt ( denn mir hatten zweje ) von Station zu Station gefahrn und hamm die Abfälle, die in grußn verschlossenen Kübeln warn, abgehult und in de Verbrennung gefahrn. Und do soßn mir natürlich net ubn auf ne Kutschbock, sondern sei nabn ne Pfarwogn hargeloffn. Plötzlich lässt doch dor Kurt mit jeden Schriet en klenn Furz. Und wie ´r mei verdutztes Gesicht sieht sat ´r: „Guck net su täppisch, klaaner, was mor net in dor Hand hot, ka mor aah net halten.“ Später dacht ich, dass unner Kurt doderbei immer noch „kultivierter“ war, als seinerzeit Martin Luther, for dan e Furz bei Tisch nooch ne Assn Beweis dodervür war, dasses gschmeckt hot.

Geschichte 1:
Auferstanden, das Erlebnis einer wahren Begebenheit

Beim Paschen Gerd in Oberbayern war dor Fritzsch Matthias, e Mundartdichter und Haamitmusikant aus Zwicke ze Gast. Im Gespräch kame se dann aah auf gemeinsame Freunde und Bekannte ze reden, su aah auf ne Günther Horst aus Hartenstaa, dar e schienes Haisel in Staabach bei  Annaberg hot. Do maanet plötzlich dor Matthias und seine Fraa: „Dar is aber vor kurzem ganz plötzlich gestorbn. Und dos stand sugar aah in dor Zeitung“.
Dor Gerd drauf: „Dos ka doch garnet sei. Iech hob doch erscht vor kurzen mit ne geredt“. Und dor Matthias: „Nu desserwagn drüm. Dos soll ja aah ganz plötzlich passiert sei“. Und wie dor Gerd sen Laptop mit ne Foto vom Günther Horst hult, sat dor Matthias und seine Katja: „Genau den maane mir. Dos isser“. Und de Traurigkaat war perfekt.

Nooch e paar Tog dacht sich dor Gerd, nu möchst de zewegnst ne Horst seiner Fraa, dor Christl, es aufrichtige Beileid übermitteln. Dos is doch es mindeste, was mor in daare Situation tu ka.
Und wie er aruft, maldt sich ene Männerstimm: „Hier is Günther“. Drauf dor Gerd: „Sog blus Horst, dass Du das bist“. Und dar: „Nu welcher Ma soll de do hiere sünst an dos Telefon gieh ?“

Do hots ne Gerd ball de Sproch verschlogn und or sat: „Mir hamm se dorzöhlt, dass Du gestorbn bist. Desserhalber gibt’s blus zwee Möglichkeiten: Entweder es liegt ene Vorwachsling für, oder Du bist wie Jesus Christus wieder auferstanden.“ Do maanet dor Horst drauf. „Es erschte werd wuhl stimme. Denn iech hob en Namensvetter in dor Nachbarschaft. Außerdem ka iech aah noch net übersch Wasser laafn. Und aus Wasser Wein machen, klappt aah noch net su richtig.“
Und se wurdn sich aanig, dass se beides demnächst mol gemeinsam probiern wolln.