Dramatisches zum Jubiläum

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Das Naturbad verwandeln die Mitglieder des Sommertheaters Falkenau in ein Fernsehstudio. Noch haben die Moderatoren des Abends zur Probe ihr Bühnenoutfit nicht übergezogen. Heike Wiederich und Tilo Wellert führen durch das Bühnenprogramm. Foto: Christof Heyden

Glitzerndes Rampenlicht, flimmernde Videoboards und flippige Bühnengarderobe bestimmen am Wochenende die Szenerie im Freibad Falkenau Das Sommertheater verwandelt den Badetempel für ein Best of in ein Fernsehstudio.

Falkenau. Da, wo Sonnenhungrige an Hitzetagen ihren Teint bräunen, sollen an drei Abenden bei aufziehendem Mond die Seele und das Herz des Publikums erwärmt werden. Die Akteure des heimischen Sommertheaters haben den Freizeittempel zum Fernsehstudio umgerüstet. Mit ihrer Late Night Show wollen die, ein ehrgeiziges Hobby pflegenden Schauspieler, Kulissenarbeiter, Tontechniker und Kostümbildner erneut ein Stück regionaler Bühnengeschichte schreiben.

„Wir feiern mit dem zehnten auf die Bretter gebrachten Programm diesmal ein kleines Jubiläum. Dieses Ereignis hat uns die thematische Vorlage für 2020 gegeben. Wir bilanzieren auf unterhaltsame Weise die Geschichte unserer Theatertruppe“, erklärt Manja Mann. Dabei potenziert das mit „Drama, Drama, Drama“ überschriebene Schauspielspektakel keinesfalls den Werdegang der musisch begabten Bauarbeiter, Physiotherapeut, Pädagogen, Rechtsanwaltsgehilfin und Informatiker. Zwar genrebestimmt als Bühnenstück mit bewegendem verhängnisvollem Geschehen deklariert, wissen die Autoren und Darsteller zwischen sechs und 60 eine facettenreiche Handlung mit einer gehörigen Portion Humor und Happyend zu präsentieren. „Wir geben Auskunft zu den aufregendsten, emotionalsten und dramatischsten Momenten unserer Bühnenlaufbahn“, so Manja Mann.

Benjamin Sieber hat schon als Jugendlicher im Theaterprojekt mitgearbeitet und hat daraus unterdessen seinen Beruf gemacht. Foto: Christof Heyden

Mit dem Zusammenschnitt der neun bislang aufgeführten Stücke rücken die Falkenauer, Flöhaer und Hainichener nicht nur die Haupthelden von einst ins Rampenlicht. Sie erzählen vor allem die Geschichte ihrer Interessengemeinschaft und gewähren einen Blick in das Innenleben dieser Truppe. „Keiner hätte je gedacht, einmal Teil eines solch erfolgreichen, beim Publikum nachgefragten Vorhabens zu sein. Das war doch eine Schnapsidee“, erzählt Franziska Dietze.

Was heute Beifallsstürme erntet, begann eigentlich mit einem Rückschlag. „2010 suchte ich die Zusammenarbeit mit an Schulen spielenden Theatergruppen. Ich wollte mit ihnen selbst geschriebene zeitgenössische Handlungen aufführen“, blickt Silvio Neumann, per Videobeitrag zugeschalten, zurück. Mit dieser Idee blieb der Spiritus Rector zunächst allein sitzen. Doch der charismatische Anführer ließ sich keinesfalls entmutigen: Da mussten eben seine Verwandten und Bekannten mitspielen. Die wurden an der Kaffeetafel und im Supermarkt genauso akquiriert, wie im Kindergarten oder dem Sportverein.

Die Haupthelden der zurückliegenden Theateraufführungen rücken noch einmal ins Rampenlicht: Achmed Ali Özdemir (alias Uwe Fischer) mit Kamel einmal in New York. Foto: Christof Heyden

Sie kommen während der von Heike Wiederich und Tilo Wellert als Starmoderatoren durch das Programm geführten Schau allesamt zu Wort. Sie verraten ihr Lebensgefühl, als Miss und Mister Unbekannt binnen einer Dekade zum Sternchen zu reifen. Was sie dazu trieb, mit dem Lebensalter von 50 Jahren zur Bauchtänzerin zu reifen oder mit Kamel durch die Straßen von New York zu trampeln. Und sie berichten von dem sich über die Jahre zur Großfamilie formierenden Theaterensemble, welches entschlossen gemeinsam durch heitere aber genauso schwere Stunden geht.

„Dieses Miteinander charakterisiert unser Sommertheater, welches längst mehr als eine schauspielende Truppe ist. Die vielgestaltigen Typen begründen den Erfolg, dass könnte man anderenorts so nicht aufziehen“, so Franziska Dietze. Längst sind junge Leute in der Truppe groß und erfahren geworden, haben mit dem Schauspiel Lebenserfahrung gewonnen und wie Benjamin Sieber ihren Beruf in der Branche ergriffen.   

Dietmar Hösel, rechts, hat 37 Videoclips geschnitten, die die 10 Jahre Vereinsgeschichte erzählen und lebenig werden lassen. Foto: Christof Heyden

Maßgeblich getragen wird die Late Night Show von 37 eingespielten Videoclips, die die zehn Jahre Sommertheater häppchenweise aufbereiten. Der Flöhaer Dietmar Hösel hat als echter Fernsehshow-Macher das umfangreich gesammelte Foto- und Filmmaterial der Falkenauer zusammengeschnitten und ihm ein dramaturgisches Gebilde gegeben. Die Gäste werden so authentische Momente nacherleben, nochmals vom Falkenauer Original Penseling erfahren, welches die Theaterleute zur Premiere vor zehn Jahren in den Blickpunkt stellten.

Auch Pleiten, Pech und Pannen werden nicht ausgespart, wie etwa die von der raffinierten, aber schließlich den Dienst verweigernden Drehbühne. Zudem lassen die Einspieler jene Mitstreiter wie Kai Flößner zu Wort kommen, die das Theaterprojekt als einen maßgeblichen die Dorfgemeinschaft verbindenden kulturellen Beitrag schätzen. So lautet denn für knapp 30 Akteure an drei kommenden Abenden die Devise: Auf das wir nicht fernsehreif Baden gehen.