Sechs Meter dicke Betonplombe konnte Neugier nicht stoppen

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Die Prehls gelten als die Bergbauenthusiasten in Kirchberg. Wolfgang, Renate und Sohn André gelten als Impulsgeber ungezählter Projekte rund um den Standort Hoher Forst. Foto: Christof Heyden

Unter den Welterbe-Standorten des Erzgebirges gilt Kirchberg eher als Randlage. Doch eine Familie hat die herausragende Bergbaugeschichte ins Zentrum der Öffentlichkeit gerückt.

Kirchberg. Ihr Faible für Fledermäuse gab den Kirchbergern Renate und Wolfgang Prehl die Initialzündung, sich vor drei Jahrzehnten für die Bergbaugeschichte in heimischen Gefilden zu interessieren. „Seit 1987 in der vom Kulturbund getragenen Ortsgruppe Natur und Umwelt beteiligt, wollten wir 1990 nicht mehr nur Nistkästen aufhängen und Wanderwege pflegen. Die politische Wende nutzten wir als Chance“, so Wolfgang Prehl. Die alles andere als am heimischen Herd Däumchen drehenden Eheleute verbanden das Interesse für Heimatgeschichte mit ihrem Herz für den Naturschutz.

„Und dabei rückte das nicht weit vor der Haustür liegende Bodendenkmal Hoher Forst in unseren Fokus. Die bewaldete Anhöhe bestimmt die Szenerie unserer Stadt, aber keiner wusste eigentlich so richtig, was da in Vorzeiten so los war. Es gab in Archiven Überlieferungen der früheren um den Erzabbau bemühten Landesherren und beispielsweise Berichte von Untersuchungsgrabungen während des Dritten Reiches. Aber wissenschaftlich aufgearbeitetes Material war uns nicht bekannt“, erklärt Renate Prehl die Intentionen jener Tage. „Spätestens mit dem Hinweis eines Freiberger Fachmannes war unsere Neugier geweckt worden: Ihr ahnt gar nicht, welch´ ein Schatz hier zu finden ist.“

Auf Initiative der Familie Prehl wurde auch dieses Huthaus errichtet. Foto: W. Prehl, Natur- und Heimatfreunde

Zusammen mit zwei Dutzend gleichermaßen unternehmungshungrigen Zeitgenossen machten sich die Prehls ans Werk, ein in weiten Teilen in Vergessenheit geratenes Kapitel der Orts- und Kulturgeschichte aufzuarbeiten. Dabei war eine gehörige Portion Optimismus und Energie gefragt, galt doch die Region Kirchberg im öffentlichen Bewusstsein längst nicht als ein markanter Standort des Bergbaus. „Doch die eher geheimnisvollen Überlieferungen waren ein Kick, sich eben auch an eine sechs Meter dicke Betonplombe eines Mundloches zu wagen, die aus Sicherheitsgründen errichtet worden war“, so die 69-Jährige.

Jene vom Nabu-Landesverband unterstützte Stollenöffnung im August 2003 erwies sich unter ungezählten, seit Jahren vorangebrachten Initiativen als einer der nachhaltigsten Beiträge. Gerade dem Enthusiasmus des gelernten Elektrikers und der Journalistin ist es zuzuschreiben, dass jetzt der Standort Hoher Forst ein Bestandteil der Montanregion Erzgebirge wurde. „Das Bodendenkmal gilt als herausragendes Beispiel der 700-jährigen Besiedelungs- und Bergbaugeschichte vor Ort“, sagt der 70-Jährige. „Aus dem Jahr 1316 datieren die urkundlichen Erwähnungen. Unser Standort steht exemplarisch für den ober- und untertägigen Bergbau.“

ieses lesenswerte Heftchen haben Renate und Wolfgang Prehl zusammen mit bergbauinteressierten Kirchbergern zum Standort Hoher Forst erarbeitet und herausgegeben. Repro: Christof Heyden

Ob der Aufbau des Netzwerkes zum Oberbergamt Freiberg, dem Staatsarchiv Dresden, den Fachleuten der Landesdenkmalpflege und des Landesamtes für Archäologie oder dem Sachsenforst, auch der Schrift- und Genehmigungsverkehr mit Rathauschefs und Politikern, dem Landratsamt und der Agentur für Arbeit läuft über den Schreibtisch der Prehls, die als Vorsitzender und Schatzmeisterin in dem Verein der Natur- und Heimatfreunde samt seiner Fachgruppe Bergbau Verantwortung übernehmen. Sie setzen sich in jenen noch längst nicht von der Welterbe-Idee getragenen Anfangsjahren an die Spitze, um Förderprojekte auf die Beine zu stellen und ABM-Kräfte sinnvoll einzusetzen. Die vom Bergbauvirus gepackte Familie, auch die Söhne sind längst mit eingestiegen, gibt mit eigenem Geld Informationsmaterialien heraus.

Sie bringen das Projekt vom landesweit bekannten sechs Kilometer langen Natur- und Bergbaulehrpfad auf die Beine, der heute fester Bestandteil des touristischen Angebotes ist und rund 5.000 Besucher pro Jahr zählt. Und sie schaffen es mit den Mitstreitern, 1998 erstmals wieder unter Tage einzufahren. Ins Jahr 2006 datiert das erste Schreiben, mit dem Kirchberger Standort ein Bestandteil der Welterbe-Bewerbung zu werden. Jetzt die Erbeurkunde in der Tasche, stehen Prehls längst vor weitern, noch größeren Zielstellungen. „Wir wollen das Vereinsbergwerk in ein Besucherbergwerk umgestalteten. Darin sehen wir den Reiz, unseren Bergbauschatz touristisch und wirtschaftliche effizienter zu vermarkten.