Rote Knollennasen sind sein Markenzeichen

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Die Idee vom unterdessen hunderttausendfach hergestellten Weihnachtsmann mit Knollennase wurde am Vorabend des Nikolaustages 1987 geboren. Das damalige Einzelstück für seine Freundin hat Björn Köhler unterdessen in 100 Varianten in seinem Erzeugnissortiment. Foto: Christof Heyden

Was als individuelles Nikolausgeschenk einst in der heimischen Garage entstand, begründet heute das Renommee von Kunsthandwerker Björn Köhler: Urige Weihnachtsmänner.

Eppendorf. Zum Tag des traditionellen Handwerks 2019 wird auch Kunsthandwerker Björn Köhler die Türen zu seinem Unternehmen öffnen. Der Besuch im renommierten Familienbetrieb bietet diesmal auch einen zeitgeschichtlichen Ausflug in den betrieblichen Werdegang: Der Eppendorfer Drechslermeister feiert in diesen Tagen das 30-jährige Bestehen seiner Firma.
Da, wo jetzt in einer kleinen Ausstellung ungezählte Bilder, Zeitdokumente, Zeitungsausschnitte aber auch erste gefertigte Figuren und Sammelstücke aus drei Jahrzehnten den Gästen einen kleinen Einblick geben, begründete Björn Köhler seinen Berufsweg.

Der Anbau an eine Garage war auch für den geschickten Kunsthandwerker die Kulisse erster Schritte in die Selbständigkeit. „Hier standen Maschinen, die ich noch mit meinem Vati vor der Wende erbaut habe“, erinnert sich der Eppendorfer. „1980 bis 1982 die Lehre absolviert und später die Meisterprüfung in der Tasche, meldete ich zum 1. Januar 1989 mein Gewerbe als selbstständiger Drechslermeister an.“

Diese dem Herbst angepassten Figuren mit Regenschirm und Rechen sind die neuesten Typen aus der Hand des Kunsthandwerkers Björn Köhler. Foto: Christof Heyden

Zu den aufbewahrten Zeitdokumenten zählt jenes, in dem dem Neueinsteiger von der kreislichen Plankommission ein Kubikmeter Holz zugewiesen wurde. Doch noch ehe der kreative Akteur loslegen konnte, wurde er zum 1. November 1989 zum Militär eingezogen. „Also meldete ich mein Gewerbe wieder ab. Keiner ahnte seinerzeit die nachfolgenden schicksalsreichen Wendungen. Die Mauer öffnete sich, die DDR löste sich auf, meine Armeezeit endete. In jener Juliwoche der Währungsunion 1990 meldete ich mein Gewerbe wieder an. Selbst meiner ersten noch in DDR-Mark ausgeschrieben Rechnung kommt Symbolcharakter zu: Zum Zeitpunkt des Zahlungszieles war die D-Mark eingeführt.“ 

Die kleine Schau bietet Einblicke, mit welch Energie und Enthusiasmus der junge Meister daran geht, unter den neuen Bedingungen seinen Betrieb zu etablieren. „Zwei, drei Wochen in der Garage gedrechselt, machte ich mich eine Woche gen Westen mit dem Trabi auf den Weg. Im Osten fand sich kein Absatzmarkt mehr. Als stoppte ich in vielen Kleinstädten, die zumeist einen Kunstgewerbeladen kannten. Dabei war beim Direktverkauf der Erzeugnisse manch Rückschlag hinzunehmen, doch die Tür-Klinkenaktionen machten auch Mut. Ich erlebte, wie meine künstlerische Handschrift ankommt.“

Die Urmuster der seinerzeit entworfenen Krippenfiguren können Besucher heuer in Augenschein nehmen. „Ich fertige Kleinserien von fünf bis zehn Exemplaren. Die Krippentypen waren das zweite Erzeugnis meines Sortiments und sollte später einen Designpreis einheimsen.“

Dieses Stücke bewahrt Björn Köhler als betrieblichen Schatz auf: Die ersten Exemplare seines später preisgekrönten Krippenensembles. Foto: Christof Heyden

Kenner der Szenerie des Kunsthandwerks wissen, dass ein Rotknollennase tragender Weihnachtsmann das Markenzeichen der Eppendorfer Manufaktur ist. Zu Hunderttausenden haben die pfiffigen Holztypen die Werkstatt unterdessen in alle Himmelsrichtungen verlassen. „Ich hätte nie gedacht, dass dieses Motiv einmal solch eine Resonanz findet“, so Björn Köhler.
„Am Vorabend des Nikolaustages 1987 merkte ich, noch kein geeignetes Geschenk für meine damalige Freundin, heutige Ehefrau Peggy zu besitzen. In einer zweistündigen Nachtaktion in der kleinen Werkstatt entwickelte ich dann diese Figur.“ Der Typ sollte sich als jenes Erzeugnis erweisen, welches selbst in Amerika wie Australien geschätzt und gesammelt wird.
Unterdessen gibt es 100 verschiedene Varianten dieses Urweihnachtsmannes. Die Vielzahl der Ehrungen verlangt eigentlich schon selbst wieder nach Platz in dem Werkstattkomplex.

„Die erstmalige Teilnahme an der Fachmesse Ambiente 1994 in Frankfurt/Main gehört zu meinen Meilensteinen, wie der mir 1995 erstmals verliehene Desginpreis Tradition und Form einen Anschub gab und das mediale Interesse begründete“, so der dreifache Familienvati, der auch dazu Unterlagen ausstellt. „Zukunftsmusik für unseren mit 43 Mitarbeitern aus allen Werkstattnähten platzenden Betrieb ist die Erweiterung der Produktionsbedingungen. Dazu gibt es erste Planungen, die wir 2020 in Angriff nehmen wollen“, freut sich Björn Köhler auf den kommenden Handwerkstag.