Mensch malend mit Maschine

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Im 31. Jahr des Bestehens stellt Andreas Schüller aus Chemnitz in der Dorfgalerie Auerswalde aus. Am Elbestrand heisst diese Arbeit, die in "Zusammenarbeit" mit der Technik am Computer ensteht. Foto: Christof Heyden

Mit den erwärmenden Februarsonnenstrahlen im Bunde sorgt die Dorfgalerie Auerswalde mit ihrer aktuellen Frühjahrsschau für einen belebenden optischen Farbtupfer im Wintergrau des Chemnitztals.

Auerswalde. Mit einer diesmal zur Halbzeit der Ausstellung organisierten Midissage rückten die Mitglieder des Gastgebervereins um Arndt Unger die Exposition „Landschaften und Duelle“ des Künstlers Andreas Schüller offiziell ins Rampenlicht. Mit einem launigen Treffen hielten am Dienstagabend rund drei Dutzend Kunstliebhaber der Region gemeinsam mit dem Akteur eine Werkschau in der am 15. Januar im Bürgerhaus gestarteten und noch bis 16. März zu sehenden Ausstellung.
Mit den per Acryl- und Tempera-Farben aber vor allem am Computerbildschirm komponierten Arbeiten von Andreas Schüller kehrt die Thematik der Beziehung von Technik und Mensch in das einst als Elektrizitätswerk genutzte Gebäude in reizvoller Weise zurück. Das digitale Zeitalter macht auch um Bildende Künstler keinen Bogen. Für den 61-Jährigen sind Computermaus, Grafikprogramme und Farbdrucker das adäquate Handwerkszeug.

Im 31. Jahr des Bestehens stellt Andreas Schüller, rechts, in der Dorfgalerie Auerswalde aus. Jürgen Leithold zählt zu den Mitbegründern des Projektes 1988. Foto: Christof Heyden

Laudator Hans Brinkmann skizzierte dieses gelungene schöpferische Miteinander von Mensch und Computer, bei dem es um mehr als die Beherrschung der Maschine gehe. Der formellen Komponente des Handwerks gelte es gleichermaßen einen sozialen Aspekt und poetischen Moment hinzuzufügen, Tugenden, die der Chemnitzer trefflich beherrsche. Der Künstler hauche der Technik Leben ein, über eine maschinelle Gebrauchsanleitung hinaus produziere er eine künstlerische Haltung. Kennzeichnend aller Arbeiten sei der mehr oder weniger starke schwarze Strich, der den Gebilden den Rahmen gibt, während der Apparat ausmale. Die Folge: „Ein Gekleckere und Gespritze wie mit dem Pinsel gibt es nicht mehr“, so schmunzelnd der Laudator. Wie wirkt ein virtuelles Gebilde, welches für das Tablet oder die Smartphone-Anzeige entsteht, wenn es sich plötzlich in einem weiten Raum an einer großen Wand behaupten muss? Dieser Frage können Besucher genauso nachspüren, wie es dem Akteur gelingt, einem nur Rastermaße und Pixelpunkte kennendem Digitalprogramm seine eleganten Schwünge und krummen Linien für Landschaftsmotive aufzuzwingen.

Die Dorfgalerie Auerswalde gilt als beliebter Treffpunkt fürFreunde der Bidenden Kunst. Das Publikum hat es sich auf der Treppe bequem gemacht. Foto: Christof Heyden


Mit der aktuellen Ausstellung sind die Mitglieder der Dorfgalerie in ihre 31. Saison gestartet. „Längst ist die Galerie ein geschätzter Teil des Kulturlebens auf dem Lande geworden“, zeigte sich Johannes Heuer nicht nur vom 2019er Auftakt angetan. „Unser Projekt erreicht Kunstsinnige aller Altersklassen, dabei genießt das Haus gerade bei Chemnitzer Akteuren einen hohen Stellenwert, als es mancher vor Ort ahnt. Längst hat sich das Haus mit seinen gehaltvollen und thematisch breit aufgestellten Ausstellungen aller Genres einen guten Namen erarbeitet“, so das Urgestein im derzeitigen 14-köpfigen Vereinsteam. Seit der 1988 initiierten Auftaktschau mit Martina Schubert hätten sich namhafte Künstler in die Hauschronik eingetragen.


So breit und bunt wie der Alltag, so viele Hoch und Tief habe es auch für die Galerie gegeben, ergänzt Arndt Unger. „So mancher Neubesucher ist überrascht, für welch´ engagiertes Projekt wir uns hier einsetzen. Gerade die fleißige Netzwerkarbeit ist Basis unseres Fortbestehens, immer wieder gelingt es uns, Interesse zu wecken.“ Dazu zählt der Vereinsvorsitzende beispielsweise das „Open air“- Projekt „Unten am Fluss“, welches im Vorjahr seine Premiere erlebt habe. „2019 soll es eine Auflage des Holzbildhauer-Symposiums geben, die Planungen sind angelaufen.“

Angetan vom aufgeschlossenen Stell-Dich-Ein der Kunstliebhaber zur Midissage und dem Werdegang des kulturellen Kleinods auf dem Lande zeigte sich auch Jürgen Leithold. Er gehörte zu jenen Initiatoren, die vor über drei Jahrzehnten dem in Planwirtschaftszeiten künstlersicher Individualität Platz gebenden Projekt auf die Beine halfen. „Wir wollten damals in unserem Dorf einen Farbtupfer setzen, aufgeschlossenen Einheimischen etwas Freude in das Grau des Alltags bringen. Ich bin angetan, wie diese Idee weitergetragen wird und welch qualitativer Sprung den Gastgebern gelungen ist.“ [/ihc-hide-content]