Antons Erben singen am Grenzbach

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Das Liedersingen brachte die Erzgebriger auf die Beine: Reichlich 1500 Gäste folgten am Sonnabend der Einladung zum Treff am Gedenkstein Günther-Ruh in Weipert.

Weipert. Einheimische von beiderseits des Grenzbaches zeigten ihre Wanderlust und verabredeten sich an dem idyllisch gelegenen und gleichermaßen geschichtsträchtigen Flecken Natur. Für einen Tag herrschte im Ziehbusch ein Ländergrenzen überschreitender stimmungsvoller Trubel. Initiiert von den Gastgebern des Denkmalpflegevereins Weipert und Helfern unternahmen die Ausflugshungrigen eine lukullische und geografische Weltreise. Und das auf beschwingten Flügeln der Musik, gestandene Künstler fungierten als musische Reiseleiter.

Seltenheitswert! Ranzen Max, vorn und Jörg Heinicke als singende Fischköppe. Foto: Christof Heyden

Jörg Heinicke und der Ranzen Max, für ihre brauchtumsorientierte Bodenständigkeit geschätzt, bereisten vom Publikum unterstützt als singende Fischköppe die Nordseeküste. Spätestens mit ihren um das heimische Essen bemühten Liedern hatten sie die Zuhörer akustisch an ihrem Mund kleben. Da wurden die legendären Kuddel-Fleck serviert, berichteten die Jungs von der masseorientierten Schwammsuche (weil jeder Pilz von ihnen mitgenommen wird), verrieten sie das Geheimrezept einer Kräuter-Suppe, die einem einmal verzehrt im Ranzen rumrammelt.

Mit den Darbietungen der Musikanten von Berggeschrey fand das Liedersingen und Musizieren einen Höhepunkt. Gerade diese von Akteuren aus mehreren Heimatorten besetzte Band bewies, welche erstklassigen Musikanten das Erzgebirge kennt.

Der Ausflug ans Seewasser wurde sogar vom Publikum auf den Steinen untermalt. Foto: Christof Heyden

Mit einigen launigen Zwischeneinlagen erinnerten die Organisatoren daran, dass genau vor 80 Jahren der Erinnerungsort eingeweiht worden war. So zeigte sich ein in Weiß gekleideter Engel, der symbolisch über den Gedenkort wacht. Den bannten bereits die Vorfahren 1938 aufs Foto und der gab heuer erneut sein Stell-Dich-Ein. Nicht nur musikalisch wurden regionale Leckereien besungen. Klar, dass böhmischer Gerstensaft die Stimmen ölte und zünftige Speisen für neue Kondition beim Publikum sorgten. Die gastronomischen Fäden zog Alexandra Zigová vom städtischen Kulturhaus Weipert. „Ich bin zum 4. Mal dabei, die Veranstaltung ist eine prima Sache“, sagte die 45-jährige, die auch Gulaschsuppe und Klitscher kredenzte.

Die aufgeschlossene grenzüberschreitende Zusammenarbeit bewiesen allen voran die beiden Stadtoberhäupter. Jitka Gavdunová und Bernd Schlegel reihten sich in den Lieder singenden Besucherchor ein. „Ich bin vom Treffen begeistert, es bringt die Menschen zusammen“, sagt die Bürgermeisterin der Stadt Weipert. Sie schätze das Engagement für einen gemeinnützigen Zweck. Der Erhalt von Denkmälern sei eine wichtige Sache. „Was entlang des Grenzbaches geschehen ist, kann unsere Generation nicht mehr ändern. Aber wir können daraus lernen. Und dazu zählt auch, Verbliebenes zu erhalten, was in unserer Stadt auch an die früheren Einheimischen erinnert. Dazu zählt die Günther Ruh.“