Golden und einzigartig, aber hölzern

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Andre Rieu spielt im Erzhammer auf, allerdings nur als geschnitztes Holzmodel von Hans Roscher aus Geyer. Foto. Christof Heyden

Die 26. Schnitzertage vereinten die geschicketen Holzkünstler des Erzgebirges. Im Wettbewerb gab es für den hölzernen Walzerkönig samt Geige den Siegerpreis.

Annaberg-Buchholz. Den Orchesterchef und Walzerkönig kennt fast jeder: Andre Rieu mit seiner Geige. Jetzt gibt es ihn im Erzgebirge als Original und preisgekrönt: aus Holz. Schnitzer Hans Roscher aus Geyer sicherte sich damit den 1. Platz im Wettbewerb, der dem Thema Musik gewidmet war. Und die Jury hatte es verdammt schwer. Denn auch die Arbeit „Straßenmusikanten“ von Udo Grund aus Bärenstein war erstklassig, wie die Modelle der weiteren Platzierten.

Die Chefin vom Erzgebirgsverein Gabriele Lorenz umarmt anerkennend Wolfgang Süß für seine Ehrung. Foto: Christof Heyden

Höhepunkt des zweitägigen, sehr gut besuchten Spektakels, war die Verleihung des Goldenen Schnitzmessers. Dieser Pokal, glänzend, aber aus Holz, gilt als höchste Auszeichnung im Verband. Zum zwölften Mal in der Geschichte wurde dieser Anerkennung vergeben. Diesmal erhielt Wolfgang Süß den speziellen Pokal. Der 67-Jährige aus Königswalde gilt zu den geschicktesten Akteuren und steht seit Jahren dem örtlichen Schnitzverein vor.

Das Veranstaltungszentrum Erzhammer in Annaberg-Buchholz glich am Wochenende einer riesigen Schnitzerwerkstatt. Auf allen Ebenen griffen Schnitzer zum Werkzeug, um in der Öffentlichkeit zu den 26. Schnitzertagen des Erzgebirges ihr Können zu zeigen. Reichlich 200 Akteure zwischen sechs und 90 Jahren aus allen Hochburgen der Branche folgten der Einladung des Erzgebirgsvereins und des Verbandes der erzgebirgischen Schnitzer.

Da ging kein Schnipsel Holz mehr zu Boden. Dicht umringt waren die Schnitzer. Foto. Christof Heyden

Zählen Bergmann und Lichterengel zum filigranen Meisterkönnen, ist der Gestaltungswille am Lebensalltag breit ausgerichtet. Da rollen Trabant und Pferdefuhrwerk vor, wie Metzger, Falkner oder Reißigbinder von ihrem Handwerk berichten. Da aalen sich dralle Busenweiber in der Sonne, wie Muhammad Ali in den Boxringseilen aktiv wird oder Märchenfiguren die Natur besiedeln. Auffällig, der breite bunte Lebensalltag wird in Holz eingefangen.

Zur Neuauflage 2019 wird die Schnitzer das Thema „Märchenhaftes“ motivieren. In Referenz an das in Annaberg 2017 erstmals gestartete Märchenfilmfestival wollen die Holzkönner ebenfalls ihren speziellen Beitrag leisten.