Welch´ imposante Kraftstoff fressende Rösserschar traf sich zum nichtalltäglichen Aufgalopp in Lichtenwalde:Lenker von Oldtimer-Motorrädern machten Halt im Schlosspark.


Lichtenwalde. Die Besitzer von über 150 betagten Vehikeln steuerten jetzt das Schlossgelände an, legten im Rahmen der ganztägigen Ausfahrt durch das Erzgebirge neben den Wasserspielen im Grünen ihre Mittagsrast ein. Ob aktiver Teilnehmer, aber auch als Ausflügler unbewusst ins Geschehen geratener Augenzeuge oder zu einer der Hochzeitsgesellschaften gehörend: Das Spektakel der zwei- und dreirädrigen Oldtimer ließ den Blutdruck steigen.
Nicht nur das Ambiente erwies sich als reizvoll. Da rollte europäische Motorradgeschichte über den Kies vor dem Delphin-Brunnen. Ob von Ardie bis Zündapp, von DKW bis NSU, von Nimbus und Schüttoff oder von Jawa bis Victoria: Es war das Stell-Dich-Ein der Veteranen edler Fahrzeugschmieden. Allesamt in fahrbereiten Zustand versetzt, oft chromblitzend, aber auch mit gehüteter Patina der Zeitgeschichte.



„Welch pfiffige bauliche Lösungen, welche formvoller Aufbau", das Publikum bestaunte die Stahlrösser.
„Das ist wahrlich eine Materialschlacht", sagte Bodo Müller und stieg angetan von seinem Maschinchen der Marke Soyer 1928. „Die Rundfahrt ist klasse, von der Ostseeküste kommend, sind die Berge samt Kurven eine Herausforderung", so der Rostocker, der zum vierten Mal dabei war. „Mit einem Ohr bin ich auf der Straße, mit dem anderen lausche ich ins Motorrad. Für dieses ist es eine echte Anstrengung. Wir sind mit bis zu 80 Stundenkilometern eigentlich schneller unterwegs, als es je die Konstrukteure seinerzeit ausgelegt haben." Begeistert zeigte sich der Lenker von den Passanten. „In Chemnitz aber auch anderen Orten gab es immer ein Daumen hoch, Kraftfahrer blieben gelassen und schmunzelten, wenn wir ihren Weg kreuzten."



Dem Lob der sehr guten Organisation und Streckenwahl schloss sich auch Klaus Kretzschmar an. „Ich bin mit meiner englischen Maschine der Marke Rudge, Modell Ulster, dabei. Es ist eine herrliche Ausfahrt, das Erzgebirge nennt wirklich wunderschöne Ecken sein Eigen", zollte der aus Bonn kommende Biker seinen Respekt. „Die Tour verlangt mit ihren Berg- und und Kurvenfahrten Konzentration, macht sie sehr abwechslungsreich. Ich kenne solche Strecken aus meiner Region. Da steuere ich mein 30-PS-Schmuckstück zu einer Handvoll Ausfahrten im Jahr in die Eifel", so der frühere Lehrer, der mehrere Maschinchen in seiner Garage stehen hat. „Mein Motorrad habe ich vor 50 Jahren selbst aus Einzelteilen zusammen gebaut. Damals hat man Utensilien oft geschenkt bekommen. Die Leute haben ihre Garagen entrümpelt."



Bis nach England ist der Rheinländer schon mit seinem zuverlässigen Untersatz gefahren, um ihm zu zeigen, wo der Vierventiler einst auf dem Reisbrett geboren wurde. „Rudge bestimmte vor dem II. Weltkrieg das Geschehen auf den Rennstrecken, Dank robuster und leistungsstarker Motoren. Auch zu den legendären Rennen auf der Isle of man sah man diese Motorräder vorn."

Zum achten Mal tuckerten auch die Maschinchen mit den früheren Kennzeichen TH 68856 und TH 81912 heran: Barbara und Olaf Weigelt aus Thüringen sind die Besitzer der betagten Kräder der Marken BMW und Motosacoche. Kenner wissen, dass diese Marke einst in der Schweiz gebaut wurde. Der Namen heißt auf Deutsch Motortasche und resultiert aus den Anfängen um 1900, als Kunden einen Motor in einem Hilfsrahmen mittels Schellen in das Rahmendreieck eines Fahrrades einbauen konnten. „Eine Streckenwahl von Profis für Profis, da heißt es zu auf dem Bock zu arbeiten", sagten die Hildburghausener anerkennend.