Rums - ohrenbetäubende Salutschüsse krachen im Schlosspark Lichtenwalde aus den Gewehrläufen einer illustren Militärformation und signalisieren den kulturgeschichtlichen Zeitenwechsel.

Lichtenwalde. Für ein Wochenende erfüllte die Lebensart des Barock das gräfliche Anwesen derer zu Vitzthum hoch droben über der Zschopau. Bernhard Schareck kommandiert die neun Mann der gräflich-schönburgischen Schlosscompagnie aus Glauchau, die zur frühen Mittagsstunde zünftig zu ballern verstanden. Und dies formvollendet: Denn die Salven brachen erst nach einer im Sinne heutiger Veranstaltungsordnung geforderter Belehrung los: „Beachten Sie: Wir schießen lauter als ein Silvesterfeuerwerk", stimmte der Vereinschef die Anwesenden auf das Spektakel ein.

Das Ensemble des Mittelssächsischen Kultursommers arrangierte das neuerliche Kostümfest, welches Schauspieler, Händler, Musiker sowie Gewerbetreibende zusammenbrachte. Das Duo Forzarello aus Stuttgart wusste mit Gauklertricks die Gästre zu amüsieren, wie Hofnarr Fröhlich den Perückenträgern mit frechen Sprüchen den Spiegel vorhielt.



Angeführt vom sächsischen Kurfürstenpaar nahmen ungezählte geladene aber auch in eigener Entschlossenheit handelnde Akteure das idyllische Fleckchen im Grünen in Besitz. Es war das gesellschaftliche Ereignis jener Liebhaber des mittelalterlichen Rollenspiels 2017. Und so wunderte es denn nicht, dass es 12 Uhr mittags zum Stell-Dich-Ein der Vertreter blauen Blutes aus vielen Adelshäusern Europas kam. An den Wasserkünsten tummelten sich die Herrschaften sächsischer Fürstengeschlechter, gaben sich die Landesväter samt Gefolge aus Preußen, Thüringen und Coburg die Ehre.

Und selbst der russische Großfürst weilte in Sachsen. Zar Peter I. mischte sich ins Geschehen ein, im bürgerlichen Leben aber aus Dresden kommend. „Meine Zeit war von 1672 bis 1725", erzählte Reinhard Lauterbach. Zum Ensemble der Barockbühne Dresden gehörend, verkörpert er den energischen Landesführer die schmucke Uniform hat er sich schneidern lassen. „Geschichtlich verbürgt war der Gründer von Sankt Peterburg drei Mal in Sachen, heuer ist es mein vierter Aufenthalt", wußte der Geschichtsinteressierte den aufgeschlossenen Volksmassen manche Anekdote zu erzählen.



Zu den thematisch stimmig bedressten Akteuren zählten auch Ines Seifert und Gabriele Schmidt. Mit imposanten Reifenröcken gekleidet, komplettierten Schirme das Aussehen der Frauen, die entlang der Allee des Rittergutes wandelten und Blicke auf sich zogen. „Wir begeistern uns für die Mittelalterzeit, insbesondere die Mode am Hofe der Residenzstadt. Und so haben wir uns im Kostümverleih unsere Robe ausgeliehen", sagt Gabriele Schmidt. Aus der Landeshauptstadt waren auch die Mitglieder vom Verein Barock in Dresden ins die Provinz geeilt.
So schlüpfte Regina Schwittay in die Figur der Herzogin Anne Amalia, an ihrer Seite Heinrich von Bülow, alias Siegfried Schura.

Händler hielten diverse Offerten bereit: Schmuck, Volkskunst und modisches Allerlei. Kochkünstler wussten am Grill zu überzeugen, wie das Volk einige Gesellschaftsspiele der Ahnen testen konnten: So gehörte das Eierlaufen nach barockem Vorbild dazu. Gastgeberin Birgit Lehmann wusste schelmisch zu berichten, dass aus aktuellem Anlass genügend Material verfügbar war.

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