20 Jahre sorgte das Schulensemble Sehma für den harmonischen Sound. Noch vor der Wende verstummten Gesang und Musik. Jetzt wollen die Mitwirkenden noch einmal zusammenkommen.

Sehma. Eine Menge Puste ist derzeit beim ehemaligen Kapellenchef Dietmar Langer und vier weiteren Mitstreitern der früheren Ensembleleitung für ein ehrgeiziges Vorhaben gefordert: Das ehrenamtlich agierende Organisationsteam will Musikanten, Sänger, Rezitatoren und Tänzer aber auch technisch Mitwirkende des früheren Schulorchesters der Polytechnischen Oberschule (POS) Sehma zu einem Stell-Dich-Ein zusammenrufen.
„Im Rahmen der schulischen Arbeitsgemeinschaften bestand von 1967 bis 1987 dieses Musik- und Tanzprojekt", erklärt Dietmar Langer. „Seit geraumer Zeit wurden von ehemaligen Mitgliedern immer wieder Wünsche laut, dass sich die Truppe doch noch einmal zu einem Traditionstreffen zusammenfinden könnte.

Nach 30 Jahren setzen wir dieses Vorhaben nun in die Tat um. Der Termin ist bereits fixiert: Am 9. September 2017 sind alle früheren Mitwirkenden in das Turnherheim nach Cranzahl eingeladen." Der Musiklehrer an der Bildungseinrichtung und spätere Leiter der Musikschule Annaberg hat bewusst den größten Saal der Region reservieren lassen. „Das Schulensemble zählte im Schnitt bis zu 120 Mitwirkende, die jüngsten waren die Erstklässler, während die Schüler der zehnten Klassen 16 Jahre zählten." Eine beachtliche Mitgliedergröße, wenn man bedenkt, dass an der POS rund 325 Mädchen und Jungen unterrichtet wurden.

„Damals war es das Ziel, die Jugendlichen mit Ganztagsangeboten für musische, sportliche oder auch handwerkliche Tätigkeiten zu begeistern. Üblich war es, dass jeder Schüler zwei Arbeitsgemeinschaften besuchte. Und man bedenke: alle Kinder kamen aus Sehma."Der studierte, im Hauptfach Trompete spielende Musikpädagoge weist mit Stolz darauf, dass dieses Orchester in seiner Form nahezu einzigartig in der DDR war. „Heute nicht mehr zu machen, da warten mit Klingeln zum Unterrichtsschluss schon die Schulbusse, bringen die jungen Leute in eine Vielzahl anderer Kommunen. Durch die Struktur des Bildungssystems ist es schwierig, solche Freizeitangebote mit einem festen Stamm über Jahre aufzubauen und zu pflegen."

Zum Schulensemble gehörten seinerzeit ein Oberstufen- und ein Unterstufenchor, Ees musizierten zwei Blasorchester und eine Dixilandformation. „Wir bildeten altersspezifische Tanzgruppen aus, wie Rezitatoren agierten. Und in den 1980er-Jahren war eine die Mundart pflegende Erzgebirgsgruppe sehr gefragt", erzählt Friedrich Dietze. Der zeichnete als Deutschlehrer mit für die Texte verantwortlich. Das Orchester wusste zeitgenössische Beiträge genauso zu intonieren, wie die Klassiker der Instrumental- und Chormusik mit Bach und Händel voran.
Klar, das Pionierstücke dazugehörten, wie Volkslieder. Dietmar Langer konstatiert lachend, dass Evergreens wohl noch heute aufgespielt werden könnten, so gut waren sie seinerzeit einstudiert. Allen voran die Nummer 61, oder der Marsch Gruß aus Klingenthal."

Ähnlich einer Gruppe, die ein Klassentreffen vorbereitet, studieren die fünf Sehmaer jetzt bekannte Kontakte, checken Wohnadressen, bemühen sich, bekannte Familienangehörige zu kontaktieren. Betagte Fotos werden genau studiert, um sich an ehemalige Mitglieder zu erinnern. „Wir gehen momentan von 215 Gästen aus. Die haben wir zu kontaktieren begonnen. In unserem Aufruf bitten wir Interessierte, bis zum 31. März 2017 mit uns Verbindung aufzunehmen."  Sobald hinsichtlich der Teilnehmerzahl Klarheit bestehe, werde es an die inhaltliche und finanzielle Vorbereitung des Treffens gehen.

Zu dem dürften dann die Episoden von einst aufgefrischt werden, beginnend von der Instrumentenbeschaffung zu Planwirtschaftszeiten oder über das Nähen von Auftrittsbekleidung aus Stoffen für den Westmarkt. Bleibt abzuwarten, welches Ensemblemitglied in beigen Sandalen kommt: die wurden seinerzeit der Formation als Auftrittsschuhe aus Volkswirtschaftsbestand zugeteilt.