Richard Georgi und Yannic Conrad aus Albernau betreiben eine äußerst beliebte Facebookseite: Die jungen Leute setzen auf die heimische Mundart als Stilmittel.


Albernau. Jugendsprache und Mundart: Das passt zusammen. Den Beweis liefern Yannic Conrad und Richard Georgi. Via Facebook pflegen die jungen Männer im Zeitalter der Smartphones seit reichlich einem Jahr einen digitalen Auftritt, der unterdessen von tausenden Besuchern im sozialen Netzwerk gelesen wird. Und längst haben die beiden Albernauer schon tausendfach das virtuelle „Daumen hoch"-Symbol erhalten, mit denen die Netzgemeinde den Betreibern ihre Sympathiepunkte zuerkennt.

„Aarzgebirgische Memes" heißt das Projekt, welches die beiden 21-Jährigen betreiben. „Wir sind aufgeschlossen für das Alltagsgeschehen im Land, das Tun der Leute. Wir begeistern uns für Computerspiele und digitale Techniken", erklärt Richard. „Bei Surfen im Internet staunte ich immer wieder, welche Ideen die Leute so ins Netz stellen." Ob ungewöhnliche Hobbys, Mode- und Kochtipps oder Berichte von Reisen rund um die Welt: Manches sei eigentlich lapidar und werde dennoch von den Usern mit Aufmerksamkeit gewürdigt. „Und da habe ich mir gesagt: Es ist ein Versuch wert, eine eigene Adresse aufzubauen", erzählt der Zerspannungsmechaniker. „Und da hatte ich unser Reden sofort im Auge.

Yannic erklärt das Prinzip: „Meme ist ein Phänomen des Internets: Da gibt es irgendeinen Schnipsel, irgendetwas, was die Web-User begeistert. Das greifen wir auf. Ob den Schnappschuss von irgendjemanden, ein Politikerfoto, das Lieblingsbild von der Katze oder einen Werbe-Spot. Klar, dass es vor allem lustige, heitere Beiträge sind. Und es trägt das Elemente der Satire, der unerhörten Begebenheit. Wir texten auf diese Vorlagen unsere Ansicht vom Geschehen in Mundart. Und da lassen wir schon mal Präsident Trump „Arzgebirg first, alles annore zeletzt" per Dekret schreiben, wie wir Schauspieler und Sportler in Alltagssituationen hineinstellen.

Indes: gerade jene Momente, in denen etwas schief geht und jeder die Situation nachvollziehen kann, kommen bei den Lesern am besten an."„Es ist, als ob man einen Stecker gesteckt hat. Die Leute stehen für unsere Idee unter Strom", sagt Richard und staunt. „Den jüngsten Beitrag habe ich beispielsweise mittags online gestellt, am Abend hatten ihn 42.000 User gelesen. Das ist irre."
Aber: dies sei nicht von Anfang an so gewesen. „Da hat es eine Zeit gedauert, überhaupt wahrgenommen zu werden, das hätte auch schief gehen können, es gibt massenhaft Seiten. Aber gerade die Erzgebirger puschen unsere Seite. Die lachen über sich selbst und freuen sich, dass die Sprache stattfindet."

Die beiden Macher sind sich einig, dass Erzgebirgisch keinesfalls die Sprache der Ewiggestrigen ist. „Ganz im Gegenteil: sie zeugt von einer gesunden Portion Selbstbewusstsein. Und sie schafft Zugehörigkeit, sie verbindet. Wir wollen die Leute ermutigen. Und dies bis nach Australien und Kanada. Selbst aus diesen Ländern erhalten wir Zustimmung und den Hinweis, so in der Ferne ein Stück Heimat zu erleben. Der Muttersprache müsse man sich nicht schämen", zeigt sich der gelernte Straßenwärter selbstbewusst. Und hat vollstes Verständnis, dass auch Kritik laut wird: Nicht jeder begeistere sich für den Dialekt.

Indes, so manche Stunde investieren die Jungs, um die zündende Idee zu finden: „Da gibt es auch manchen Tag, wo die Fangemeinde auf einen Beitrag hinfiebert, wir aber noch nicht die Betriebstemperatur erreicht haben."