Pulsierendes Leben zog für einen Tag an idyllischem Fleckchen Natur abseits der zeitgetriebenen Zivilisation am Grenzbach ein.

Vejprty/Bärenstein. Das 5. Anton-Günther-Liedersingen im früheren zur Stadt Weipert zählenden Ortsteil Grund lockte ins Grüne. Reichlich 1000 unternehmungslustige Gäste vorwiegend fortgeschritteneren Alters machten sich beiderseits der Grenze und des Pöhlbachs auf den Wanderweg, um dem musikalischen Stell-Dich-Ein am wieder aufgerichteten Gedenkstein für den Volkssänger zu folgen. Inmitten des Waldes wusste ein frohgelauntes Völkchen den Text- und Liedbeiträgen einer bunten Musikantenschar aus beiden Ländern zu lauschen. Spätere am Ort Ankommende konstatierten erstaunt, „dass die Leute bis hinunter nach Kühnhaide sitzen würden“.

Initiiert von Gewerbetreibenden und Vereinsfreunden beider Kommunen wird seit 2012 zum Treffen an historischen Ort eingeladen. Ungezählte Bierzeltgarnituren wurden aufgestellt, der Zapfhahn leckeren tschechischen Bieres versiegte nie und am Grill herrschte Dauerbetrieb: die Nachfrage nach lukullischen Angeboten war genauso ausgeprägt, wie der Durst nach künstlerischen Beiträgen. So stimmte der Männergesangsverein Zschopautal mit 15 Mitstreitern aus Schlettau und Walthersdorf unter der Leitung von Volker Bach die Gästeschar ein. „Das macht Laune, die Bedingungen sind ideal, wir sind zum 2. Mal dabei“, zeigte sich nicht nur der erste Bass, Dieter Merkel vom Geschehen angetan.

Franzl aus Trinksaiffen musiziert.

Franzl aus Trinksaiffen musiziert.



Schon bald darauf griff Franzl aus Trinksaifen in die Tasten seiner Konzertina. Klar, dass da Klassiker wie Aus Böhmen kommt die Musik, zu hören war. Geschätzte Musikanten, wie Jörg Heinicke und der Ranzen, Max zelebrierten quasi im Ausland ihre zunächst gegenseitig stichelnde musikalische Liebeserklärung an die Stadtteile Annaberg und Buchholz, um schließlich zu resümieren, dass Heimat verbindet. Eine gehörige Portion Heiterkeit verursachte das von ihnen dargebotene Kuddellied, indem der Nahrungsgehalt von Pansen, Lunge, Niere und anderen Inneren so überzeugend besungen wurden, dass man glauben konnte, der Böhmische Gestank rühre von dem Flecke-Gericht her.
Klar, dass die legendären Lieder wie die Draakschänk zu Gehör kamen oder der Hammer von Frohnau besungen wurde, und die aufgeschlossenen Gäste tatkräftig mitklatschten und mitstampften.



Dabei erinnerte Gerhard Scharf daran, dass den heute eher verwaisten Standort einst blühendes Leben bestimmte. „Bis 1945 lebten in Weipert und seinem Ortsteil Grund insgesamt 12.000 Menschen, einst an der Salzstraße gelegen, gab der Blechhammer hier den Lebensrhythmus vor. Der Großteil mussten die Heimat verlassen, der Stadtteil wird abgerissen“, sagt der 75-jährige, der schon als Vierjähriger hier lebte und die Organisatoren für ihr heutige Engagement würdigte.



Klar, dass ein Pascher den Veranstaltungsort heimsuchte und von den Erfahrungen berichtete, mit der Finanzpolizei Hund und Katz zu spielen. Ortschronisten zeigten Fotos und Zeitdokumente, wie Alexander Böhm sein Buch über die erhaltenen Gedenksteine zu Anton Günthers Ehren vorstellte.