Ritter, Fischer & Flößer

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Zu jeder Jahreszeit einen Ausflug wert: Rechenberg-Bienenmühle, heute zum Landkreis Mittelsachsen zählend. Chronisten des Ortes wissen manch Geschichte aus dem Entwicklungsgang der Gemeinde zu erzählen. Foto: Christof Heyden

Rechenberg-Bienenmühle gilt als Ziel für erlebnisreiche Ausflüge. Chronist Heinz Lohse kennt Berufsgruppen, die dem wirtschaftlichen Werdegang einst die Impulse verliehen.

Rechenberg-Bienenmühle. Dann ist der geschichtsinteressierte Zeitgenosse mit unternehmungshungrigen Besuchern auf den historischen Spuren der Ritter, Fischer und Flößer unterwegs. „Ich lade Gäste ein, auf einem knapp zweistündigem Rundgang durch Rechenberg-Bienenmühle unsere Ortgeschichte kennen zulernen“, sagt der Chronist. „Ritter waren es, die unsere Region einst besiedelten.“ Das markanteste Wahrzeichen bekommt jeder Ankömmling in Rechenberg-Bienenmühle eindrucksvoll zu sehen: Im Ortskern mit Kirche und Rathaus ragt der Bergsporn der Burgruine Rechenberg eindrucksvoll hervor.

Burggeschichte erwartet Besucher in Rechenberg-Bienenmühle. Foto: Christof Heyden

„Der Name Rechenberg verweist auf den Heurechen aus dem Wappen der Familie zu Hrabischitz, die von ihren böhmischen Ursprungsorten aus vordrangen. Die Burg Rechenberg mit ihrer Wehranlage diente etwa ab 1235 als Sitz der Rechenberger, wenn man Hrabischitz eindeutscht.“ 1647 erwarb der sächsische Kurfürst Johann Georg I. den Flecken, den er in den Stand eines kurfürstlichen Kammergutes erhob.

„Und aus dem Revier ging frischer Fisch an den Hof der Fürsten. Unter Aufsicht eines Amtsfischers wurde die Flossentiere von Fischern gezüchtet und gefangen“, hat Heinz Lohse recherchiert. „Nachts ging es von Rechenberg aus auf die 53 Kilometer lange Tour in die Elbmetropole. In den auf Fuhrwerken aufgestellten Bottichen wurden die lebenden Fische transportiert. Damals kannte man noch kein Kühlsystem. Also wurde nach Sonnenuntergang gefahren, damit die wertvolle Ware nicht bei Hitze verdarb.“

Voller Einsatz für die Dorfgeschichte: Heinz Lohse bei einem seiner Voträge, das Festzelt ist regelmäßig voll besetzt. Foto: Christof Heyden

Und der nennt die Flößer als eine weitere die Region prägende Berufsgruppe. „Wir wissen, dass um 1438 die ersten Baumstämme auf der Mulde geflößt wurden.“ Vor allem Freiberg gierte bergbaubedingt nach Holz. „Die Stadt war gezwungen, ihren Holzbedarf für das Brauen, Backen und die Hausfeuerung zu decken und sich neue Quellen zu sichern. Und da wurde das Muldental interessant, Dank Wasser konnte man dieser Material herantransportieren“, so der Rechenberger. Noch heute sind bauliche Gegebenheiten von einst zu sehen. Beispielsweise die Reste der einstigen Neugrabenflöße. „Und auch das von uns als Vereinsdomizil genutzte Flößerhaus stammt aus diesen Zeiten.“