Der Blutwurstritter des Erzgebirges

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Fleischermeister Ingolf Fischer in seiner Wurstmanufaktur Grüner Wald in Marbach. Der Ritter der Blutwurst zeigt eine Kreation, die so dick wie ein Zwei-Euro-Stück is(s)t. Diese Blutwurtvariante stellt der Erzgebriger in Berlin zum Kosten vor. Foto: Christof Heyden

Preisgekrönte Leckerbissen der Marke Blutwurst aus Marbach vom Ritter der französischen Delikatesse haben heute Gästen in Berlin Kreuzberg gemundet.

Marbach. Fleischermeister Ingolf Fischer hat eine neuerliche Kostprobe aus seiner Wurst-Manufaktur Grüner Wald in die Landeshauptstadt geliefert. Auf Initiative des TV-Nachrichtenkanals Welt, vormals N24, hin ist ein Kochbuch entstanden, welches zur kulinarischen Entdeckungstour durch Deutschland einlädt. „Deren Autorin Felicitas Then war 2017 als Fernsehmacherin in meiner Wurstmanufaktur zu Gast“, erklärt Ingolf Fischer. „Die Food-Truckerin bereiste mit Wohnmobil und Kamerateam verschiedene Regionen, sammelte Rezepte. Und nun folgt den Fernsehbeiträgen ein gedrucktes Werk nach. Ich bin da mit dabei“, sagt der 54-Jährige.

Fleischermeister Ingof Fischer in seiner Wurstmanufaktur Grüner Wald in Marbach. Abwiegen der  Fleischmengen. Foto: Christof Heyden

Und dessen Spezialitäten sind spätestens seit 2014 in vieler Munde: Damals wurde der Erzgebirger im Rahmen internationaler Meisterschaften zum Ritter des Blutwurstordens in Frankreich geschlagen. „Mit diesem Ritterschlag sind die jahrelangen Bemühungen um dieses Produkt und unsere Handwerkskunst geehrt worden“, sagt der gebürtige Krumhermersdorfer. Seitdem gehört er der „Bruderschaft der Ritter der Blutwurst“ – „Confrérie des Chevaliers du Goûte Boudin“, eine Inoffizielle Blutwurst-WM in Mortagne-au-Perche, südliche Normandie, Frankreich, an. Derzeit schmücken sich nur zwei weitere Sachsen mit diesem Titel.

Noch vor der Abreise nach Berlin stand der Fachmann in seiner guten Handwerksstube, um eine neue Charge sächsischer Ur-Knacker herzustellen: „Dabei handelt es sich um ein 450 Jahre altes Rezept, dass uns ehedem einige Versuche gekostet hat, es ins heute zu übertragen“, so Ingolf Fischer. Einmal monatlich produziert er einige Dutzend dieser 30 Zentimeter langen, je 250 Gramm schweren deftigen Köstlichkeit. „Das Rezept gehört zu einer Kochbuchsammlung des 16. Jahrhunderts. So forderte 1550 der Kurfürst eine haltbare Wurst, mit der der Hofstaat auf Reisen gehen konnte.“

Der Urknacker wird hergestellt, dazu werden die Gewürze ins Fleisch verknetet. Foto: Christof Heyden

Fischer machte sich ans Werk. „Gar nicht so einfach, gerade die Gewürze hatten seinerzeit eine andere Intensität. Zudem galt es die Mengenangaben zu knacken: Ein Loth mag als Maßeinheit bekannt sein, doch das wurde in unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet.“ In die Wurst kommen Ingwer, Nelke, Salz, Pfeffer und Muskat. Diese geben der Wurst den Geschmack. „Die ätherischen Oele machen sie auch haltbar und entziehen das Wasser beim Trocknen.“

Unternehmungshungrige Kunden müssen längst keine Reise wie nach Berlin antreten. Per Internet können die leckeren Häppchen geordert werden.