Auf Du und Du mit regionaler Kunst

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Zum Musizieren nicht gedacht: Bei Katrin Baumann wird aus einem defekten Cello ein Kunstobjekt. Foto: Cristina Zehrfeld

In der Ausstellung „Wegzeichen 18“ werden bis zum 25. März 2018 Werke von vier regionalen Künstlern gezeigt. Dazu gibt’s Führungen und ein Künstlergespräch.

Oelsnitz – Was tun mit einem Cello, das nicht klingt, weil sein Korpus einen Riss hat? Für Katrin Baumann ist die Sache klar: Aus dem zum Spielen ungeeigneten Instrument lässt sich immer noch ein einzigartiger Hingucker, ein Kunstwerk machen. Die Künstlerin aus Elterlein hat das Cello also mit handgeschöpftem japanischem Papier kaschiert und anschließend hauchzarte Motive mit Tusche und Feder darauf gemalt. Die Gestaltung mit den unzähligen, dörflich anmutenden Häuschen ist nicht zufällig gewählt: „Die Papierschnipsel sind aus japanischen Zeitungen. Dieser Gegensatz versinnbildlicht für mich die Gerüchte und Geschichten, welche auch im kleinsten Dorf die Runde machen. Wir leben zwar in gewisser Weise hinterm Berg, erfahren heute aber doch die Ereignisse aus aller Welt.“
Zu sehen ist die Arbeit innerhalb der Ausstellung „Wegzeichen 18“ im Oelsnitzer Heinrich-Hartmann-Haus. Die Schau vereint vier regionale Künstler mit ganz unterschiedlichen Handschriften. Christoph Roßner aus Schlema zeigt große Holzskulpturen. Hanna Siebenborn aus Pobershau ist mit ausdrucksstarken keramischen Figuren vertreten. Skurrile, aus Metallfundstücken arrangierte Szenerien sind das Metier des gelernten Stahlgraveurs Ralph Siebenborn.

Galerieleiter Alexander Stoll mit der Keramikskulptur „Junger Bergmann“ von Hanna Siebenborn. Foto: Cristina Zehrfeld

Von Katrin Baumann ist neben dem eingangs erwähnten Cello eine ganze Bandbreite künstlerischer Ausdrucksformen zu bestaunen. Besonders fallen einige textile Arbeiten ins Auge, darunter große handgewebte Teppiche.
Für die 1965 geborene Absolventin der Fachschule für angewandte Kunst Schneeberg sind diese freien Arbeiten aber nur ein Arbeitsgebiet. Ebenso oft gestaltet sie Auftragsarbeiten für den öffentlichen Raum. So ist ein bemaltes Holzrelief von ihr im Gemeindehaus der Kirche Mildenau zu sehen, einer ihrer handgewebten Teppiche hängt im Krankenhaus Annaberg. Für Katrin Baumann sind beide Arbeitsbereiche gleichermaßen wichtig: „Bei einem Auftrag schaffe ich ein Werk für eine vorher festgelegte Stelle. Das ist, als ob ich ein Kleid für eine ganz bestimmte Person schneidere. In der freien Kunst hingegen kann ich ohne Zwänge meiner Intention folgen.“

Am 4. Februar 2018 werden die Werke innerhalb einer öffentlichen Führung im Heinrich-Hartmann-Haus erklärt. Am 11. März 2018 haben Besucher die Möglichkeit die ausstellenden Künstler bei einem Galeriegespräch persönlich kennenzulernen. Beide Veranstaltungen beginnen 16 Uhr.

Die Ausstellung im Heinrich-Hartmann-Haus ist bis zum 25. März 2018 immer donnerstags von 9 bis 17 Uhr und freitags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.