Antons Steine erzählen Geschichte

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Alexander Böhm hat ein Buch geschrieben, in denen er die Gedenksteine für Heimatsänger Anton Günther europaweit vorstellt. Foto: Christof Heyden

Regelmäßig erinnern sich Erzgebirger an den Volkssänger Anton Günther. Mit seiner Fleißarbeit rückt Alexander Böhm die dem Künstler gewidmeten Gedenksteine in den Blickpunkt.

Leukersdorf. Als akribische Detektivarbeit mit hohem Unterhaltungswert gilt das Werk von Alexander Böhm: Der Leukersdorfer hat ein Buch über die Anton Günther gewidmeten Gedenksteine zusammengestellt und veröffentlicht. „Von Aichach bis Zwönitz“ lautet das Ergebnis seiner Fototour im Untertitel, die ihn durch ganz Deutschland aber auch nach Tschechien und Österreich führte.

Aktuell über 40 erhaltene Erinnerungsstätten an den Sänger des Erzgebirges listet der 42-Jährige auf 152 Seiten seiner Nachforschungsarbeit auf. „Ich wollte den Bestand der Steine dokumentierten, ihrer Entstehung nachspüren und historische Zusammenhänge verdeutlichen“, sagt der in Chemnitz tätige Bankkaufmann, der seine Ergebnisse in dem im Verlag Heimatland Sachsen Chemnitz erschienen Werk vorstellt.

„Seit seinem 60. Geburtstag 1936 wurden etwa 50 Gedenksteine errichtet. Unterschiedliche Auftraggeber ließen zu unterschiedlichen Anlässen diese Steine errichten“, erklärt Alexander Böhm. In ihm sei die „Flause“ gereift, nachzuspüren, welche Steine den Zahn der Zeit aber auch die gesellschaftlichen Ereignisse überdauert haben, sagt der Autor. Erst nach der politischen Wende sei das öffentliche Interesse wieder geweckt worden, haben sich die wiederbelebten Erzgebirgszweigvereine der Pflege angenommen.

Auch den Gedenkstein im Chemnitzer Ortsteil Euba hat Alexander Böhm aufgespürt und beschrieben. Foto: Christof Heyden

„Zu den acht außerhalb des Erzgebirges befindlichen Objekten gehört beispielsweise jener im niedersächsischen Freden, den ich nur mit Hilfe eines Einheimischen mitten in einem Waldstück finden konnte“, erklärt Alexander Böhm. „Nicht berücksichtigt habe ich bei meinen Recherchen Gedenkplatten, die etwa an Häusern angebracht sind oder Verweilstätten in Wäldern.“

Was treibt einen jungen Menschen dazu, sich mit Anton Günther auseinander zu setzen? Diese Frage sei ihm häufig gestellt worden. „Seit früher Jugend beschäftige ich mich mit meiner Heimat. Und da kommt man auf Anton Günther. Spätestens mit der in meiner Familie geweckten Leidenschaft, Liedpostkarten zu sammeln, wollte ich mehr über ihn wissen.“ Im Internet sei er auf die Erbengemeinschaft Anton Günthers mit einer Übersicht der ihm zu Ehren aufgestellten Gedenksteine gestoßen. „Mein Interesse war geweckt. Doch bis zum Erscheinen dieses Buches sollten mehr als acht Jahre ins Land gehen.“

Ende 2011 ließ Alexander Böhm der Idee Taten folgen. Die Zahl der Emails an Städte, Vereine und Archive beziffert er auf über 300. Ältere Mitbürger kontaktierte er genauso, wie die Enkel des Volkssängers. Sammler wurden wie Chronisten zurate gezogen. In Archiven galt er als Dauerleser. „Als Herausforderung galt die Idee, auch alle bekannten Gedenksteine aufzusuchen und eigene Fotos anzufertigen.“

Nicht ganz uneigennützig werden so die Sommerferien 2013 in Österreich verbracht, weil er hier zwei Gedenkstätten besuchen will. Nachdem alle Fotos im Kasten waren, galt sein Blick dem Kilometerzähler: „Über 4000 km legte ich per PKW zurück, dazu kommen noch jene, einen interessierten Verlag zu finden“, sagt Alexander Böhm. Denn an einen Bestseller glaubten Verlage und Druckhäuser mit dem Thema längst nicht. Er selbst sei in finanzielle Vorleistungen gegangen. „Aber das war es Wert. Die Pflicht ist für mich erfüllt. Die Kür sind jetzt Reaktionen und neue Hinweise.“ Und die erhält er reichlich.