Verwirrspiel um Kurklinik

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Mundarttheater Crottendorf mit dem Lustspiel: De Kassen sei laar. Aufeinandertreffen der Akteure, die eigentlich alle andere Personen sind, als sie von sich vorgeben. Foto: Christof Heyden

Alle Jahre wieder schmeckt im Advent eine besonders bekömmliche Kost: Das Mundarttheater Crottendorf lädt zum Bühnenschmaus.

Crottendorf. Das älteste Ensemble seiner Art in Sachsen startet am 1. Adventswochenende in seine 108. Spielsaison. Bis ins kommende Jahr hinein werden die 23 Vereinsfreunde zwei Dutzend Aufführungen auf die Bretter des Deutschen Hauses stellen, zudem eine Abstecheraufführung in Thum gestalten.
“Seit April sind wir eigentlich schon wieder gestartet“, gibt Gesamtspielleiter Stephan Gläser einen Einblick. „Erneut standen wir vor der Herausforderung, den gelungenen Inszenierungen der Vorjahre ein neuerliches Spektakel nachfolgen zu lassen. Wir sind sicher: Das ist dieses mal etwas anderes.“ Rund 20 Spielbücher habe man vorab studiert. In dem Lustspiel „Die Kassen sind leer“ von Wolfgang Bräutigam habe man das Potential erkannt, die Lachmuskeln der Erzgebirger aufs Neue zu kitzeln.

Ein Pärchen: Sandra Grafinger alias Maria Hildebrandt und Nico Winkler, alias Paul Fournes. Foto: Christof Heyden

Einigkeit herrscht unter den 18 Mitspielenden, ein so bislang nicht einstudiertes Theaterstück ausgewählt zu haben. „Das ist kein klassisches Volkstheater mit einem überschaubaren geradlinigem Handlungsstrang. Diesmal verweben wir die Charaktere vielschichtig, entwerfen ein Knäuel von Situationen, die auf den ersten Blick scheinbar nicht überschaubar sind“, hat Regisseur Michael Kern die Fäden mit gezogen. Das Geschehen atme aktuellen Zeitgeist, könne auch in Crottendorf passieren, jeder im Saale könne sich in die Gegebenheiten hineinversetzen.

Und dennoch: Neben neuerlichem konditionsstarken Sitzfleisch, die Schauspieler rechnen mit einer dreistündigen Aufführungszeit inklusive Pause, ist waches Köpfchen gefragt. Die Verwicklungen und Überschneidungen könnten den Zuschauer verwirren. Fast könnte man empfehlen, einen Notizzettel als personellen Schaltplan mitzuführen, um die agierenden Damen und Herren in ihren unterschiedlichen Charakteren und Funktionen nicht zu verwechseln.

Stephan Gläser, sitzend, als vermeintlicher Gerichtsvollzeiher. Foto: Christof Heyden

Denn es wird turbulent. Der Masseur Andreas Schober hat aus der geerbten Pension „Sonnenschein“ das Kurhotel „Zum heiteren Blick“  gemacht. Indes: derer Bemühungen waren es aus pekuniärer Sicht zuviel, der Pleitegeier droht. Die finanzielle Not ist groß, die Betriebskasse ist leer. Die Gesundheitsreform macht dem ehrgeizigen Besitzer einen Strich durch die Rechnung. Die gesetzlichen Krankenkassen überweisen keine Patienten mehr, seine Frau hat nach der Scheidung die Hälfte des Vermögens zugesprochen bekommen. Was tun? Das Anwesen soll nun gepfändet werden. Als letzte Rettung versucht man das Konzept einer privaten Kurklinik in Reisekatalogen unterzubringen. Und das gelingt. Damit zieht ein Hoffnungsschimmer hoch. Doch weitere Probleme türmen sich auf: Das gesamte Personal hat gekündigt. So beschließen Andreas Schober und sein ihm treu verbliebener Angestellter, Koch Jürgen Winkler, mit der Familie zu retten, was noch zu retten ist.

Selbst ein Scheich scheint im Kurhotel eingecheckt zu haben. Doch der Schleier trügt. Foto: Christof Heyden

Also werden Freunde, Freundinnen, Onkel und Tanten zusammengerufen, um der Öffentlichkeit scheinbar einen heilen Wellness-Hotel-Betrieb vorzugaukeln. Dabei schlüpft das ungeübte Personal in Rollen, die sie nie erlernt haben, indem sie etwas verkörpern müssen, was ihnen gar nicht steht. Ob als Angestellter oder als Gast. Hauptsache, das Objekt gilt als gut gebucht. Und getreu der Devise Kleider machen Leute nehmen die Verwicklungen ihren Lauf. Und so kommt es, wie es kommen muss: die bislang gehegten beruflichen und familiären Heimlichkeiten kommen im Kurhotel auf den Tisch: Alle haben ausgespielt. Und dennoch, Kenner des Genres wissen: Ein Lustspiel kennt immer das Happyend.