Dampfrösser schnauben im Schneegestöber

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Achtung: Die Press rollt am Haltepunkt Wildbach ein. Trotz Schneegestöber fährt sie immer im Plan. Foto: Christof Heyden

„Angeheizt und losgedampft“ heißt die Devise bei der Preßnitztalbahn auch zum Jahresende. Schmalspureisenbahn-Fans dürften Feuer und Flamme sein.

Jöhstadt. Kein bissel atemlos: Die Press schnauft auch zum Jahresende und zum Start ins neue Jahr über die Schmalspurgleise, die legendären sächsischen IV-K Lokomotiven zeigen sich auch bei Schnee und Frost bestens geschmiert. Noch bis zum Neujahrstag 2018 verkehren die Bahnen jeden Tag zwischen 10 und 17 Uhr im Stundentakt zwischen Jöhstadt und Steinbach. Die Museumsbahn zählt zu den beliebtesten Attraktionen im Erzgebirge und unterbreitet ein Angebot für alle Generationen. Das betagte Verkehrsmittel zeigt sich im 125. Jahr seines Bestehens weiter in Bestform. Fleißige Mitglieder des Vereins halten Dampfrösser und Wagen samt Gleisen und Technik in Schuss, bei jeder Jahreszeit.

Einsteigen bitte, Haltestelle Wildbach. Die Fahrt geht nach Jöhstadt. Foto: Christof Heyden

Im Mai 1892 ging die Schmalspurbahn von Wolkenstein nach Jöhstadt auf über 20 Kilometern Strecke in Betrieb. Dank des tuckernden Bähnles nahm die Industrie einen Aufschwung. 21 Werksanschlüsse entstanden entlang der Strecke, die für ein hohes Güterverkehrsaufkommen sorgten. Nahezu jeder Kühlschrank der DDR rumpelte übers Gleis des feurigen Bähnles aus der Produktionsstätte Niederschmiedeberg. Der Anschluss war Standortfaktor. 1986 hatte es aber im Preßnitztal ausgedampft, zuerst die Personen, später die Güterzüge wurden eingestellt. Die Wirtschaftlichkeit war nicht mehr gegeben. Erst mit der Wende erwachten die erkalteten Maschinen wieder aus ihrem Schlaf, wurde durch begeisterungsfähige Eisenbahnfreunde das Feuer in der Büchse wieder entfacht. Seit 20 Jahren rollen die Züge nunmehr wieder auf einem Teilstück der ursprünglichen Trasse.

Ein halbes Stündchen zuckeln die Waggons mit den Gästen durch die Landschaft des Pressnitztales. Foto: Christof Heyden

Die meistgebaute Lokomotivgattung der sächsischen Schmalspurbahnen, die sächsische IV K, wurden meist vor die Güter- und gemischten Züge gespannt. Drei Lokomotiven zählen die Erzgebirger noch immer zu ihrem Fuhrpark. Zwischen 1892 und 1921 verließen 96 Exemplare die Lokomotivfabrik vorm. Richard Hartmann in Chemnitz. 750mm beträgt ihre Spurbahn. Die Naßdampfloks mit 4-Zylinder-Verbundtriebwerk erreichen eine Leistung von rund 210 PS, sind 9 Meter lang beladen 29 Tonnen schwer. Insgesamt 22 Exemplare haben die Verschrottung des Eisens wegen überlebt.