Sie kennen das Raumer Glöckle und die Karlschachthalde, haben das Rauschen des Stangenwaldes im Ohr? Und wer kennt die Geschichte der fünf lustigen Schmiedegesellen samt der Holzpantoffelfrau?

Annaberg-Buchholz. Ein Besuch der neuen Sonderausstellung in der Galerie im Treppenhaus des Kulturzentrums Erzhammer in Annaberg-Buchholz gibt darauf Antworten. Hans-Dieter Wicklein stellt auf 25 Schautafeln einen kleinen Teil seiner mehr als 1500 Liedpostkarten umfassenden Sammlung vor. Und die lassen Dank ihrer Gestaltung eine unterhaltsame Entdeckertour zu.
Der Reiz: Neben dem musischen Aspekt erfährt der Betrachter auch geografische Gegebenheiten, ebenso wie Besonderheiten im Leben der Einheimischen.Nichts, was die Vorgängergenerationen nicht per Textzeile und Notenkomposition abgebildet hätten. Neben Versen und Refrain lassen Illustrationen, später Fotos, den Betrachter sich ein Bild vom Ereignis, einer Person oder Sehenswürdigkeit machen.

Auf den kleinen grafischen Kunstwerken werden die Reize der Jahreszeiten an den schönsten Flecken des Erzgebirges genauso besungen, wie die Autoren ihren Stolz auf die Region und auch ihr Heimweh zum Ausdruck bringen. Da werden Berufsstände wie die der Klöppelfrauen oder der Jägersleute besungen.
Und auch den mit dem Bergbau verbundenen Städten wie Lugau und Oelsnitz wird schwärmerisch die Referenz erwiesen. Aufgeschlossene Leser werden zu Anziehungspunkten des Fremdenverkehrs mitgenommen - etwa von Manfred Pollmer und Kurt Weigel mit zu den Greifensteinen.

Willy Gläß erzählt die Geschichte der "Spaakörb aus der Lautere". Selbst Nachbarschaftsgeschichten sind eingefangen: "Ich haa d'r anne nei" heißt das Werk zwischenmenschlicher Sympathie unter Eheleuten von Willy Kaufmann.
Das Kartenstudium wird sogar zum kulturgeschichtlichen Exkurs: Arno Lehmann erzählt im Rheinländerrhythmus auf Basis eines Gedichts von Anna Wechsler, welche Fahrgeschäfte einst für Belustigungen des Kät-Publikums sorgten. Auch Georg Langer erzählt in seinem Kät-Lied vom größten Volksfest des Erzgebirges. Seinerzeit sei er nach Besuch von Hippodrom, Reitschule und Schaukel beim fidelen Schorsch eingekehrt.  Wer beherrscht wohl heute noch eines der Annaberger Kät-Lieder?

Seit Jugendtagen sammelt Hans-Dieter Wicklein Liedpostkarten. Der Niederwürschnitzer nennt Stücke einer Vielzahl von Autoren, Komponisten und Herausgebern zu seinen Schätzen. Klar, dass er nahezu alle Karten vom bedeutendsten Ideengeber dieser Kleinode besitzt: Anton Günther.
Und auch Raritäten befinden sich in Wickleins Besitz. Dazu zählen beispielsweise handschriftliche Korrekturen zu den Druckentwürfen durch den Volkssänger selbst. Aus dessen Feder stammt auch die Lieblingskarte des 73-Jährigen: "Mein Vaterhaus."

Besuchertipp: Die Galerie im Treppenhaus des Kulturhauses Erzhammer zeigt die Ausstellung Erzgebirgischer Liedpostkarten vom 27. April bis zum 11. Juni zu den Öffnungszeiten des Hauses.